Wortliste
- abkratzen: Bevor das Wort als Dysphemismus für „sterben“ Einzug in unseren Wortschatz erhielt, bedeutete es „sich mit einem Kratzfuß verabschieden“. Das war ein höfisches Anstandsritual, bei dem der linke Fuß zur Seite bewegt wurde, während man sich verbeugte. Mit einem Kratzfuß verabschiedete man sich untertänigst. (Seidel 2019, 11)
- Adieu: Wo kommt dieser Abschiedsgruß her? Im 17. Jahrhundert war es in Deutschland sehr modern, sich des Französischen zu bedienen. Diese Abschiedsformel stammt aus dem Französischen. Entstanden ist der Ausdruck aus dem Lateinischen ad deum, was so viel wie „Gott befohlen“ bedeutet - ähnlich dem im Süddeutschen geläufigen „Grüß Gott“. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 9)
- Amt: Dieses Wort geht auf das gallorömische Wort ambaktos zurück. Gallorömisch ist die Varietät des Keltisches, das zur römischen Zeit in Gallien - im heutigen Frankreich - gesprochen wurde. Ambaktos bedeutete so viel wie „Gefolgsmann, herumreisender Bote“. Es war also eine Art Angestellter aus dem Umkreis des Stammeshäuptlings, der mit bestimmten Verwaltungsaufträgen unterwegs war. (Seidel 2019, 48)
- Anekdote: Jeder hat wahrscheinlich die ein oder andere lustige oder denkwürdige Geschichte zu erzählen. Die Bezeichnung dafür geht auf den Geschichtsschreiber Prokop zurück. In der Antike verfasste er zwar die verherrlichenden Schriften über Kaiser Justitian, bei dem er als Schreiber angestellt war. Nach dessen Tod brachte er aber auch eine Art Geheimgeschichte heraus, die auf Klatsch und Gerüchten basierte. Der Titel der Schrift lautete: „Anekdota“. Das Wort an-ékdota bedeutet „Nicht-Editiertes, Nicht-Herausgegebenes“. Darin schilderte Prokop das sittenlose und ausschweifende Leben des Kaisers und seiner Ehefrau Theodora. (Seidel 2019, 11)
- ätzend: Etwas, das ätzend ist, macht entweder etwas kaputt oder nervt uns gewaltig. Seinen Ursprung hat der Ausdruck im Althochdeutschen, wo azen „essen“ bedeutete. In der Jägersprache wurde das Wort Atzung für „Nahrung“ beibehalten und im Prinzip auch in der Chemie, in der ätzen so viel wie „zerfressen“ bedeutet. In der Umgangssprache wird das Wort allerdings zur starken Abwertung verwendet. (Seidel 2019, 11)
- Bankrott: Diese Bezeichnung dafür, finanziell am Ende zu sein, kommt aus dem Italienischen. Dort war es Usus, dass ein Geldwechsler, der nicht mehr in der Lage war, seine Gläubiger auszuzahlen, Besuch bekam, der seinen Tisch (banca) zerschlug (rottare). (Seidel 2019, 131)
- Berserker: Das Wort bedeutet „wilder Krieger“ oder „kampfwütiger Mensch“ und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem Altisländischen entlehnt. Es ist eine Zusammensetzung aus ber („Bär“) und serkr („Hemd, Gewand“). Ursprünglich wurden damit Krieger bezeichnet, die sich in ein Bärenfell hüllten. Sie glaubten, die Kräfte des Bären würden dabei auf sie übergehen. So verkleidet, hofften sie, mit der Wildheit und Stärke des Bären siegreich aus dem Kampf hervorzugehen. Kurioserweise gibt es auf Island gar keine Bären. Nur sehr selten verirrt sich einer dorthin. (Schomburg/Schautz 2020, 10)
- Blaustrumpf: Mit diesem Wort wurde bis weit ins 20. Jahrhundert eine Frau bezeichnet, die zwar über einen hohen Intellekt verfügt, aber dafür über keinerlei weiblichen Charme. Einem Blaustrumpf wurde nachgesagt, sich mehr für die Wissenschaft als für Männer zu interessieren und mit ihrem Intellekt Männer abzuschrecken. Bei diesem Wort handelt es sich um eine Lehnübersetzung aus dem Englischen: bluestocking. Die Geschichte dazu geht so: Im 18. Jahrhundert gründete Lady Montague einen sogenannten schöngeistigen Zirkel, bei dem intellektuelle sowie politische Diskussionen geführt wurden. Das Besondere: Hier wurden nicht nur (wie bei den meisten gesellschaftlichen Treffen) mit irdischen Gütern ausgestattete Personen zugelassen, sondern vor allem Menschen, die sich gerne an Diskussionen beteiligten und am Weltgeschehen interessiert waren. Unter ihnen auch der intelligente, aber einigermaßen arme Botaniker Benjamin Stillingfleet. Dieser war unter anderem dafür bekannt, dass er statt der gesellschaftlich akzeptierten schwarzen Seidenstrümpfe blaue Garnstrümpfe trug. Der skandalöse Verstoß gegen die Etikette sprach sich schnell herum und bald wurden alle Mitglieder von Lady Montagues Zirkel – unabhängig von ihrem Geschlecht – als bluestockings bezeichnet. (Schomburg/Schautz 2020, 14)
- blümerant: Ach, mir wird ganz blümerant! Damit wird ausgedrückt, dass man sich schwindelig oder flau fühlt. Der Ausdruck ist mittlerweile veraltet und ist eine Entlehnung aus dem Französischen des 17. Jahrhunderts. Bleu mourant (wörtlich: „sterbendes Blau, gemeint: blass-blau“) bezeichnete die Gesichtsfarbe, die Damen bekamen, wenn sie aufgrund ihrer zu eng geschnürten Korsetts und der schlechten Luftverhältnisse Schwindelanfälle erlitten. (Schomburg/Schautz 2020, 19)
- Börse: Diese Bezeichnung für einen Handelsplatz geht auf eine reiche Kaufmannsfamilie zurück. Die flandrische Familie van Beurse bzw. Burse war im spätmittelalterlichen Brügge ansässig. Dies war damals einer der wichtigsten Handelsplätze. Vor oder in ihrem Haus wurden Geschäfte abgeschlossen und 1409 wurde dafür ein eigenes Gebäude errichtet – die Börse. Von Brügge aus wurde diese Bezeichnung für das zentrale Handelszentrum in den deutschen Sprachraum übernommen. (Seidel 2019, 131)
- Boykott: Mit einem Boykott wird eine kollektive Ächtung ausgedrückt. Das Wort selbst geht auf eine tatsächliche Person zurück. Charles Cunningham Boycott war ein Gutsverwalter im 19. Jahrhundert. Er terrorisierte die Pächter seines Lords über Jahre hinweg, gestattete ihnen auch in Hungerszeiten keine Pachterleichterung und trieb alle ausstehenden Summen unnachgiebig ein. Als Reaktion darauf wurde von der irischen Landbevölkerung 1880 ein Bann über ihn verhängt - niemand arbeitete mehr für ihn. (Seidel 2019, 21)
- Brimborium: Wenn jemand in unseren Augen übertriebenen oder überflüssigen Aufwand um etwas betreibt, bezeichnen wir es oft als Brimborium. Die heutige Bedeutung des Wortes ist das erste Mal bereits im 19. Jahrhundert nachgewiesen. Das französische Wort briborion („Lappalie“) geht auf das mittelfranzösische Wort breborion bzw. briborion zurück, das so viel wie „Zaubergebet“ oder „Zauberformel“ bedeutet und vermutlich aus dem Kirchenlatein stammt, in dem das Wort breviarium so viel wie „Verzeichnis“ oder „Auszug“ bedeutet. (Schomburg/Schautz 2020, 22)
- Chauvinist: Wenn wir dieses Wort heute verwenden, meinen wir einen misogynen (frauenfeindlichen) oder aggressiv nationalistischen Menschen. Die Bezeichnung geht zurück auf eine fiktive Figur aus einem seinerzeit sehr populären französischen Lustspiel der Brüder Cogniard. Im 19. Jahrhundert erheiterte der junge Soldat Nicolas Chauvin in einem Stück die Zuschauer mit seiner blinden Gefolgschaft für den Kaiser Napoleon. Darüber hinaus war er zutiefst frauenfeindlich, übertriebener Nationalist, Rassist und missachtete die Rechte und die Würde anderer. Aus dieser Karikatur wurde der uns heute bekannte Begriff des Chauvinisten. (Seidel 2019, 21)
- Devise: Hat diese Bezeichnung für ein Motto oder einen Leitspruch etwas mit dividieren zu tun? Tatsächlich mehr oder weniger. Dividere bedeutet auf Latein „teilen“ oder „abteilen“ und wurde im Mittelalter im Französischen als devise für das abgeteilte Feld eines Wappens verwendet. Meistens stand im unteren Wappenfeld der Wahlspruch der Adeligen, zu denen das Wappen gehörte. Das Wort devise wurde bald synonym für den Wahlspruch angewendet und wanderte dann nur noch mit dieser Bedeutung in die deutsche Sprache. (Mahrenholtz/Parisi, 41)
- drakonische Gesetze und Strafen: Besonders hart erscheinende Strafen bezeichnen wir als drakonisch. Der Begriff hat allerdings höchstens nur indirekt etwas mit den geflügelten Fabelwesen zu tun. Er geht auf den Eigennamen Drakon zurück (was tatsächlich so viel wie „Drache“ bedeutet). Um 620 fertigte dieser athenische Aristokrat die erste Aufzeichnung geltenden Rechts an. Als Gesetzgeber legte er besonders strenge Strafen für Verbrechen fest. Tatsächlich geht auch der bedeutsame Unterschied zwischen Mord und Totschlag auf ihn zurück. (Seidel 2019, 31)
- eintrichtern: Wer jemand einem anderem etwas eintrichtern möchte, will möglichst viel Wissen an die andere Person weitergeben. Oder ihn sogar in einer bestimmten Weise manipulieren. Aber was hat ein Trichter mit Wissen zu tun? Tatsächlich geht dieser Begriff auf das 17. Jahrhundert zurück. Der Autor G. P. Harsdörffer veröffentlichte den „Nürnberger Trichter“, ein Werk, in dem es darum ging, die „Teutsche Dicht- und Reimkunst [...] in sechs Stunden einzugießen“. Die Trichter-Metapher geht also auf dieses Werk zurück. (Seidel 2019, 12)
- Elend: Im Mittelalter wurde jemand, der aus der Fremde kam, als ellende bezeichnet - meistens war damit ein Verbannter gemeint. Verbannte waren nicht nur fern ihres eigenen Landes, sondern meistens auch recht- und schutzlos, was der heutigen Bedeutung von „elend“ durchaus nahekommt. (Seidel 2019, 12)
- faszinierend: Etwas, das uns fasziniert, interessiert uns in besonderem Maße. Der Ursprung des Wortes stammt aus dem Lateinischen. Fascinare bedeutet so viel wie „behexen, besprechen“. Darin enthalten ist das Wort fas, das auch mit „Schicksal“ übersetzt werden kann. Hinter diesem Begriff steht der Glaube, dass das Schicksal der Menschen vorherbestimmt ist, meist von einer Gottheit oder anderen übernatürlichen Mächten. Bis zum 18. Jahrhundert meinte „faszinierend“, dass jemand an sein Schicksal gefesselt sei. Diese Bedeutung ist allerdings in Vergessenheit geraten. (Seidel 2019, 12 f.)
- Fiasko: Dieses Wort stammt von italienischen Glasbläsern. Wenn ein Lehrling sich an einer etwas komplizierteren Form versuchte, am Ende aber doch nur eine einfache Flasche erhielt, wurde im Publikum häufig „Altro fiasco!“ (noch eine Flasche) gerufen. Übertragen wurde dieses Wort dann in die Welt der Oper, in der misslungene Töne als Fiasko kommentiert wurden. Häufig wurde dem so verspotteten Sänger dann auch noch eine leere Flasche um den Hals gehängt und damit seine Demütigung noch gesteigert. (Schomburg/Schautz 2020, 26)
- Firlefanz: Dieser seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesene Ausdruck geht auf das mittelhochdeutsche Wort firli-fanz zurück, das einen Springtanz beschreibt. Sprachgeschichtlich wird davon ausgegangen, dass es eine Wortzusammensetzung aus dem altfranzösischen virelai („Ringellied“) und dem mittelhochdeutschen vanz („Possen“) ist. So oder so, der Begriff geht auf eine fröhliche und lustige Bewegung zurück, was nach wie vor in dem Wort mitschwingt. (Schomburg/Schautz 2020, 30)
- Floskel: Sätze, die nichts zum Inhalt eines längeren Textes beitragen oder nur der Höflichkeit halber verwendet werden, bezeichnen wir als Floskeln. Im deutschen Sprachraum ist der Begriff seit dem 17. Jahrhundert geläufig. Ursprünglich kommt er aus dem Lateinischen. Floscolus bedeutet „Blümchen“ oder „Zierde“. In der Rhetorik der Antike wurde dieser Begriff für eine ausschmückende, aber nichtssagende Redensart verwendet und ging mit dieser Bedeutung auch in die deutsche Sprache ein. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 51)
- Foyer: Wie der Wortklang schon vermuten lässt, wurde das Wort aus Frankreich übernommen. Foyer bedeutet im Französischen allerdings „Herd“ oder „Feuerstelle“. Damit wurde ein geheizter Aufenthaltsraum in französischen Theatern bezeichnet, in dem sich die Schauspieler zwischen ihren Auftritten aufwärmen konnten. Später wurde der Begriff dann auch auf die gewärmte Eingangshalle übertragen und kam mit dieser Bedeutung im 18. Jahrhundert auch nach Deutschland. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 52)
- Galan: Dieser mittlerweile eher spöttisch verwendete Ausdruck für einen Liebhaber oder Verehrer wurde früher durchaus ernst verwendet. Um 1600 wurde das spanische Wort gálan („Liebhaber“) in die deutsche Sprache übernommen. Zunächst war damit – ausgehend vom spanischen Substantiv gala („Festkleidung“) – ein elegant gekleideter Höfling gemeint, später wurde damit ein vornehm auftretender und über feine Manieren verfügender Verehrer bezeichnet. (Schomburg/Schautz 2020, 35)
- Gesindel: Dieses mittlerweile doch sehr negativ konnotierte Wort hatte in seinem Ursprung noch keine negative Bedeutung. Bezeichnet wurde damit eine kleine Gefolgschaft oder Kriegerschar, was sich vom mittelhochdeutschen Wort Gesinde ableitete. Außerdem waren mit Gesindel auch die Reisegefährten gemeint, beziehungsweise die Menschen, die den gleichen Weg haben wie man selbst. Später wurde mit dem Begriff die Dienerschaft bezeichnet, bis sich schließlich die Bedeutung im 16. Jahrhundert und abwertend herumtreibendes Volk oder Pack bezeichnete. (Schomburg/Schautz 2020, 38/154)
- Gobelin: Dieses mittlerweile etwas veraltete Wort bezeichnet einen Wandteppich. Es geht auf die einflussreiche Färberfamilie Gobelin zurück, die in Paris ansässig war und Wandteppiche für ein gehobenes Publikum herstellte. In Europa gehörten Wandteppiche seit dem 15. Jahrhundert zur Raumausstattung eines jeden besseren Haushalts. Sie waren sehr teuer und aufwändig herzustellen und galten noch vor Gemälden als die wertvollsten Kunstwerke - Künstler wie Rubens und Raffael lieferten Vorlagen für Bildteppiche. (Seidel 2019, 21)
- grotesk: Etwas seltsam Anmutendes oder Merkwürdiges bezeichnen wir als grotesk. Decken- und Wandmalereien, die in Grotten gefunden wurden, wurden als Grotesken bezeichnet, zurückgehend auf das italienische Wort grotteschi. Die Malereien, von denen meist nur noch Bruchstücke erhalten waren, erschienen den Betrachtern seltsam oder merkwürdig. In der Renaissance wurden die Wandmalereien nach antikem Vorbild wieder als Teil der Kunst in Italien aufgenommen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderte sich die Bedeutung, löste sich von der Malerei und wurde zu einem Synonym für „absonderlich“. (Seidel 2019, 13)
- Hagestolz: Als Hagestolz wird ein allein lebender, unverheirateter Mann bezeichnet, allerdings mit einer etwas negativen Konnotation. Solchen Menschen unterstellt man gern eine gewisse Schrulligkeit und mitunter auch Frauenfeindlichkeit. Der Begriff leitet sich aus dem Gotischen ab und bedeutet so viel wie „Hagbesitzer“. Ein Hag war ein bebautes Grundstück neben dem eigentlichen Hof, meistens zu klein, um dort eine eigene Familie zu gründen, weshalb der Bewohner – meist der jüngere Sohn der Familie – Junggeselle blieb. (Schomburg/Schautz 2020, 41/43)
- Halunke: Diese Bezeichnung für einen Kriminellen – meist eher einen Kleinkrimineller – lässt sich auf zwei unterschiedliche Quellen zurückführen. Einerseits auf das alttschechische Wort holomek, das so viel wie „Diener“, „Gauner“ oder „Henkersknecht“ bedeutet. Und andrerseits auch auf das ostmitteldeutsche Wort Holunke („Bote, Stadtdiener“). In beiden Wortursprüngen steckt das Wort holy, was in beiden Sprachen „kahl“, „nackt“ oder „bloß“ bedeutet. Im Tschechischen bezieht es sich auf den nackten Hodensack eines jungen Mannes, im Ostmitteldeutschen auf die kahle Heidelandschaft. (Schomburg/Schautz 2020, 47)
- hanebüchen: Etwas, das hanebüchen ist, ist absurd oder unfassbar. Früher hieß es hagebüchen und stammt vom mittelhochdeutschen Wort hagenbüechin, was etwas bezeichnet, das aus dem Holz der Hainbuche besteht. Das Holz dieser Buche ist besonders knorrig. Die Bedeutung „derb“ oder „grob“ verschob sich vom Wörtlichen zum Figurativen und schlussendlich entwickelte sich die geänderte Wortform inklusive des modernen Wortsinns. (Schomburg/Schautz 2020, 50)
- Hungertuch: Niemand von uns möchte wohl am Hungertuch nagen, oder? Dieser Ausdruck für Verarmung geht zurück auf das mittelhochdeutsche Wort hungertouch. Damit wurde das Tuch bezeichnet, das zur Fastenzeit den Altar vom Rest der Kirche abtrennte. Dieses Tuch hatte verständlicherweise das Ausmaß eines Wandteppichs. Das Tuch musste natürlich vorher noch genäht werden – der ursprüngliche Ausdruck hieß „am Hungertuch nähen“. Später wurde „nähen“ zu „nagen“ umgedeutet, da das Essensangebot während der Fastenzeit ja durchaus spärlich ist. (Schomburg/Schautz 2020, 54)
- Karambolage: Dieses französische und dann ins Deutsche übernommene Wort für einen Zusammenstoß leitet sich von dem Wort caramboler ab, welches wiederum von carambole stammt, der Bezeichnung für die rote Kugel beim Billard. Anders als beim heute bekannten Billardspiel wurde das französische mit nur drei Kugeln gespielt, von denen zwei weiß und eine rot waren. Als carambolage wurde der Moment bezeichnet, in dem ein Spieler eine der anderen Kugeln mit einer weißen berührte. Im erweiterten Sinne wurde bald jede Art von Zusammenstoß als carambolage bezeichnet und der Begriff ging mit dieser Bedeutung im 19. Jahrhundert ins Deutsche über.(Schomburg/Schautz 2020, 59)
- Kauderwelsch: Unverständliches Gebrabbel bezeichnen wir als Kauderwelsch. Ursprünglich bezeichnete das Wort die schwer verständliche Sprache der Rätoromanen aus dem Rheintal von Chur, genannt „Churromanisch“. Das Adjektiv welsch meinte die keltischen Bewohner westeuropäischer Gebiete. Daraus wurde dann das Wort Kaurerwelsch, das später zum heutigen Kauderwelsch mutierte. (Schomburg/Schautz 2020, 63)
- Kladderadatsch: Dieses Wort wurde aus dem lautmalerischen Geräusch übernommen, das bei Klirren, Splittern oder Krachen entsteht. Im Niederdeutschen wurde „Kladatsch!“ gerufen, wenn etwas herunterfiel und zu Bruch ging. Daraus wurde sogar ein eigenes Verb: kladatschen. Bekannt wurde es über den niederdeutschen Sprachraum hinaus durch das 1848 gegründete politisch-satirische Wochenblatt mit dem gleichen Namen. Unter Bismarck vertrat es eine nationalliberale Position und unterstützte später den Nationalsozialismus. (Schomburg/Schautz 2020, 66/158)
- Krösus: Als Krösus bezeichnen wir jemanden, der besonders reich ist. Krösus war der letzte König von Lydien (6. Jahrhundert vor Christus) in der heutigen Türkei. Sein Reich war das größte, das die Griechen bis dahin kannten. Es besaß reiche Bodenschätze sowie eine günstige Lage zum Handeltreiben. Dies war des Grund für Krösus’ unermesslichen Reichtum. Er spendete wertvolle Geschenke an Orakelstätten und war finanziell am Bau des Artemis-Tempels in Epheus beteiligt, einem der sieben Weltwunder. Schlussendlich wurde er von den Persern besiegt, aber sein Name ist noch in aller Munder. (Seidel 2019, 32)
- Lappalie: Eine Kleinigkeit bezeichnen wir als Lappalie, aber hat es etwas mit einem Lappen zu tun? Tatsächlich ja. Die Studenten des 17. Jahrhunderts, die viel mit lateinischen Begriffen arbeiteten, verwendeten in humoristischer Weise das pseudo-latinisierte Wort Lappalia für alltäglichen Kleinkram. Daraus wurde im Laufe der Zeit das heute geläufige Wort Lappalie. (Seidel 2019, 14)
- Larifari: Wir benutzen dieses Wort, wenn jemand nicht gut arbeitet oder wir etwas unsinnig finden. Der umgangssprachliche Ausdruck wurde Anfang des 18. Jahrhunderts aus den italienischen Notenbezeichnungen la, re, fa, re gebildet und erfuhr eine schnelle Verbreitung über den gesamten deutschen Sprachraum. Mit den Bezeichnungen war es möglich, sich beim Üben von Melodien die jeweilige Tonfolge als meist sinnlosen Text zu merken. Um das Jahr 1000 hatte ein Benediktinermönch die Idee, die Töne der damals noch sechsstufigen Tonleiter mit den Anfangsbuchstaben des Johannes-Hymnus zu bezeichnen und schaffte es so, die Lernzeit für die Choräle gregorianischer Gesänge von zirka zehn Jahren auf ein Jahr zu verkürzen, da sie sich so besser einprägten. (Schomburg/Schautz 2020, 71/159)
- Magier: Der Ursprung des Wortes stammt aus dem Altpersischen. Das Wort magus bezeichnete einen Volksstamm, der mit priesterlich-rituellen Aufgaben betraut war. Die Griechen verstanden unter dem Begriff mágos auch „Traumdeuter“ oder „Sterndeuter“. Im griechischen Urtext der Bibel werden etwa die drei Heiligen aus dem Morgenland als mágoi bezeichnet. (Seidel 2019, 42)
- Marotte: Als eine Marotte bezeichnen wir eine seltsame Verhaltensweise oder persönliche Eigenart, die sich im Alter noch zuspitzt. Das Wort selbst stammt vom Namen „Marie“ ab. Mit dem französischen Verkleinerungssuffix wurde daraus „Marotte“. Dieser bezeichnete zunächst Marienbilder oder Heiligenfiguren und dann eine Puppe oder Marionette. Später wurde die Bezeichnung für Narrenzepter übernommen, an deren Spitze sich ein Puppenkopf befindet. Die übertragene Bedeutung einer närrischen Idee wurde im 18. Jahrhundert in den deutschen Sprachraum entlehnt. (Schomburg/Schautz 2020, 75)
- Mumpitz: Ein niedlich anmutendes Wort für unsinniges Gebrabbel, wirres Reden oder einfach Quatsch. Es entstammt dem Berliner Börsenjargon des 19. Jahrhunderts. Mumpitz bezeichnete dort ein erschreckendes oder lügenhaftes Gerede, das zu ernsthaften Kursschwankungen führen konnte. Wahrscheinlich wurde das Wort aus Mumme („verhülltes Schreckgespenst“) und Butze („Kobold“) zusammengesetzt und verbreitete sich schnell in der Umgangssprache. (Schomburg/Schautz 2020, 78)
- Ohrfeige: Was hat ein Schlag mit einer leckeren Feige zu tun? Tatsächlich gar nichts. Feige kommt in diesem Fall vom niederländischen vegen, was so viel wie „wischen, fegen, quetschen“ bedeutet. Also wird in der wörtlichen Bedeutung über das Ohr gefegt – was ja auch tatsächlich passiert. (Seidel 2019, 15)
- Palaver: Wir bezeichnen unnötiges Gerede häufig als Palaver, während es in weiten Teilen Afrikas als Teil guter Umgangsformen gilt. Wie kommt das? Durch portugiesische Händler gelangte das Wort palavra („Unterredung“) an die afrikanische Küste. Die Händler bezeichneten damit die Verhandlungen mit den Einheimischen, die sie selbst oft als kompliziert und langwierig empfanden. Durch diese Händler gelangte das Wort und auch seine negative Konnotation schließlich in den deutschen Sprachraum. (Schomburg/Schautz 2020, 82)
- Pappenstiel: Das ist doch kein Pappenstiel! Das Wort ist das erste Mal fürs 17. Jahrhundert belegt und soll eine Verkürzung des Wortes Pappenblumenstiel sein. Pappenblume war die Bezeichnung für den Löwenzahn. Aufgrund der geringen Wertschätzung der als Unkraut angesehenen Pflanze kam so der Pappenstiel als Bezeichnung für etwas kaum Nennenswertes in unseren Sprachgebrauch. (Schomburg/Schautz 2020, 87)
- Papperlapapp: Wir nutzen diesen Ausruf, um unserem Gegenüber zu vermitteln, dass dieser gerade Unsinn oder Quatsch erzählt. Papperlapapp ist eine Zusammensetzung aus papp, das wir aus pappsatt kennen – also komplett gesättigt, nichts geht mehr – und dem lautmalerischen Verb pappeln, das so viel wie „schwatzen“ bedeutet. Genau genommen bedeutet es also: „Ich bin satt von deinen Worten, hör auf zu schwatzen.“ (Schomburg/Schautz 2020, 90)
- pauschal: In der Redewendung in Bausch und Bogen schrieb man früher statt „Bausch“ häufig auch „Pausch“. In der österreichischen Kanzleisprache wurde dieses Wort in der Barockzeit latinisiert zu pauschalis, was so viel wie „insgesamt genommen“. Daraus entwickelte sich dann in der Kaufmannssprache des 19. Jahrhunderts die „Pauschale“. (Seidel 2019, 15)
- Pleitegeier: Der Pleitegeier, der über einer Person oder einem Unternehmen kreist, ist wahrscheinlich jedem geläufig. Aber hat er auch etwas mit den bekannten Aasfressern zu tun? Tatsächlich nicht. Das Wort kommt aus dem Jiddischen, genauer gesagt von pleitegeher, der vom Berliner Volksmund humoristisch umgedeutet wurde und das Siegel der Gerichtsvollzieher („Kuckuck“) bezeichnete. (Schomburg/Schautz 2020, 94)
- Preis: Der Begriff wurde vom französischen prix in den deutschen Sprachraum übernommen. Zunächst in der Bedeutung des Lobes – heute noch bei Preisverleihungen zu finden –, dann als Bezeichnung eines Warenwertes. (Seidel 2019, 123)
- Sadismus: Sadisten empfinden (sexuelle) Lust, wenn sie jemand anderem Schmerzen zufügen. Der Begriff geht auf Donatien Alphonse François de Sade zurück, der im 18. Jahrhundert – während er für sexuelle Vergehen in einer Irrenanstalt inhaftiert war – mehrere erotische Werke verfasste, in denen Lust und Grausamkeiten Hand in Hand gingen. Ende des 19. Jahrhunderts führte dann der Psychiater Richard Krafft-Ebing den Begriff aus dem Französischen in den deutschen Sprachraum ein. (Seidel 2019, 22/23)
- Scharlatan: Die Bezeichnung für jemanden, der fragwürdige Heilungsmethoden und Medizin verkauft, geht auf eine Stadt in Spanien zurück. Die Bewohner von Cerreto di Spoleto, die cerratani, galten bereits im Mittelalter als schlitzohrige Händler, die mit angeblichen Heilmitteln Geld einnahmen. Durch die Verbindung des Wortes cerretano mit dem Verb ciarlare („schwatzen“) entstand das Wort ciarlatono, welches als charlatan ins Französische übernommen wurde. Im deutschen Sprachraum ist das Wort Scharlatan seit dem 18. Jahrhundert nachgewiesen. (Schomburg/Schautz 2020, 107)
- Schema F: Jemandem, der nach Schema F arbeitet, sagen wir nach, dass er genau nach Vorschrift und ohne selbständiges Denken vorgeht. Dieser Ausdruck geht zurück auf das preußische Militär. Dort mussten ab Mitte des 19. Jahrhunderts sogenannte „Frontrapporte“ – die Vordrucke waren mit einem F markiert – ausgefüllt werden, die aus schematisierten Formularen bestanden. Dort wurde für jeden Truppenteil genau aufgeschlüsselt, wie viele Soldaten, Offiziere usw. im Kriegsfall zur Verfügung stünden, aber auch, wer im Kriegsfall nicht einsatzfähig wäre und aus welchen Gründen. Für alle Kategorien gab es unterschiedliche Rubriken, die sorgfältig und nach „Schema F“ ausgefüllt werden mussten. (Schomburg/Schautz 2020, 110)
- Schlafittchen: Der Ausdruck jemanden am Schlafittchen packen ist vermutlich jedem geläufig. Im niederdeutschen Sprachgebiet nannte man die Schwungfeder des Gänseflügels Schlagfittich. Beim Gänsefang musste man sich sehr vor den Flügelschlägen der Tiere hüten und versuchte daher, die Tiere beim Schlagfittich zu packen, damit sie sich nicht mehr wehren konnten. Der Ausdruck wurde dann darauf übertragen, jemanden am Hemd- oder Jackenkragen zu packen, um so ein Weglaufen zu verhindern. (Schomburg/Schautz 2020, 115)
- Schlamassel: Wer sich in einer schwierigen Situation befindet, steckt in einem Schlamassel. Der Ausdruck stammt aus der Gaunersprache, die man „Rotwelsch“ nannte, und wurde in die deutsche Umgangssprache entlehnt. Seinen Ursprung hat er im Jiddischen. Das Wort massel bedeutet so viel wie „Schicksal“ und wurde in Verbindung mit dem deutschen Wort schlimm zu schlimassel, bis es zum heute geläufigen Schlamassel wurde. (Schomburg/Schautz 2020, 118)
- Schwerenöter: Der Schwerenöter geht unbeschwert durchs Leben und bricht auf dem Weg jede Menge Herzen. Aber was hat das mit schwerer Not zu tun? Das frühneuhochdeutsche Wort Schwerenot bezeichnete Epilepsie, als man noch weniger als heute wusste, was das überhaupt ist und es sich mit einer Verhexung erklärte. Im 18. Jahrhundert wurde dann daraus die Bezeichnung Schwerenöter für einen „verfluchten Kerl“, die dann im 19. Jahrhundert die Bedeutung erhielt, die wir noch heute kennen. (Schomburg/Schautz 2020, 122)
- Skandal: Mit dem altgriechischen Wort skándalon wurde das Holzstück in einer Tierfalle bezeichnet, mit dem der Auslösemechanismus angestoßen wurde. Dieses buchstäbliche Anstoßen wurde in der Sprache der Kirche zum Anstößigen im übertragenen Sinne. Der Ausdruck wurde jahrhundertelang im metaphorischen Sinne benutzt und bezeichnete die Lockungen und Versuchungen des Bösen. (Seidel 2019, 16)
- Skrupel: Wer keine Skrupel hat, handelt gewissenlos. Das Wort stammt vom lateinischen scrupuli ab, womit spitze Steinchen bezeichnet wurden. Wer also ohne Skrupel handelt, kennt das unangenehme Gefühl der Gewissensbisse nicht, die ihn sonst martern würden: wie kleine Steinchen im Schuh beim Gehen eben. Das Adjektiv „skrupulös“ bedeutet übrigens „äußerst sorgfältig“ oder „vorsichtig“. Da achtet also jemand im übertragenen Sinn auf jedes noch so kleine Steinchen auf dem Weg. (Seidel 2019, 16)
- Slogan: Der Ursprung dieser Bezeichnung für einen Werbespruch liegt im Keltisch-Schottischen. Das Wort sluaghghairm setzt sich zusammen aus sluagh für „Heer“ und ghairm für „Geschrei“. Ursprünglich bedeutete es so viel wie „Schlachtgeschrei“ und setzte sich im 20. Jahrhundert im Deutschen als Synonym für „Werbespruch“ durch. (Seidel 2019, 123)
- Snob: Jemanden, der sich für etwas Besseres hält, betiteln wir als Snob. Wahrscheinlich ist dieser Begriff eine Abkürzung des lateinischen Ausdrucks sine nobilitate. Dieser Vermerk wurde in England hinter denjenigen Studenten notiert, die nicht-adeliger Abstammung waren. Überliefert ist allerdings nicht, wer schlussendlich auf wen herabsah. (Seidel 2019, 26)
- Standpauke: Dieser Begriff geht auf das studentensprachliche Wort „Standrede“ zurück, mit dem im 18. Jahrhundert eine im Stehen angehörte Grabrede bezeichnet wurde. Im 19. Jahrhundert wurde der Ausdruck humoristisch zu einer kräftigen Strafpredigt umgedeutet und sprachlich zu Standpauke verschärft. pauken bedeutete damals noch „schlagen“, war aber unter Studenten auch als Ausdruck für „reden“ geläufig. (Schomburg/Schautz 2020, 127)
- Steuer: Das Wort stammt vom althochdeutschen Begriff stiura für „Stütze“ oder „Stützbalken“. Bereits um das Jahr 900 wird die Bezeichnung bereits für staatliche Abgaben verwendet, mit denen die staatlichen Ausgaben monetär vom Volk unterstützt wurden. (Seidel 2019, 123)
- Tohuwabohu: Das Wort verweist schon lautmalerisch auf ein komplettes Durcheinander. Tatsächlich ist der Ausdruck biblischer Herkunft. Im hebräischen Urtext beginnt die Genesis mit der Erschaffung von Himmel und Erde, auf der zu Beginn tohû wa vohû vorherrschte – also nichts. Daraus entstand schlussendlich das Wort „Tohuwabohu“ für chaotische Zustände. (Schomburg/Schautz 2020, 130)
- Tollpatsch: Ein ungeschickter Mensch ist ein Tollpatsch – klar. Aber wieso eigentlich? Ist er besonders toll? Seit Ende des 17. Jahrhunderts ist der Begriff „Tolbatz“ geläufig. Er bezeichnete die ungarischen Infanteristen, die als besonders ungeschickt galten. Talp ist das ungarische Wort für „Fuß“, talpas ist die Bezeichnung für „breitfüßig“. Die davon abgeleitete scherzhafte Substantivierung bedeutet einerseits „Fußsoldat“, andrerseits auch „Bär“. Bären galten ebenfalls als ungeschickt. (Schomburg/Schautz 2020, 135)
- Verballhornen: Dieses Verb ist seit Beginn des 19. Jahrhunderts nachgewiesen und geht tatsächlich auf eine real existierende Person zurück. Johann Balhorn der Jüngere war ein Buchdrucker Ende des 16. Jahrhunderts in Lübeck, der vor allem dadurch bekannt wurde, dass er eine fehlerhaft korrigierte Ausgabe des Lübecker Rechts herausgab. (Schomburg/Schautz 2020, 138)
Quellen
- Mahrenholtz, Katharina/Parisi, Dawn (2019): Horizont und Hängematte. Duden Verlag, Berlin.
- Schomburg, Andrea/Schautz, Irmela (2020): Der geheime Ursprung der Wörter. DuMont, Köln.
- Seidel, Wolfgang (2019): Das geheime Leben der Wörter. riva, München.
Michelle Szellas
01.04.2026
Mach deinen eigenen Vorschlag
Hast du Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel? Oder einen Vorschlag für ein weiteres Wort, das wir in diese Liste aufnehmen sollten?
Hinterlass uns dazu bitte einen Kommentar. Dein Beitrag erscheint nach Prüfung durch einen Moderator.
