Wortliste

  • abkratzen: Bevor das Wort als Dysphemismus für „sterben“ Einzug in unseren Wortschatz erhält, bedeutet es „sich mit einem Kratzfuß verabschieden“. Das ist ein höfisches Anstandsritual, bei dem der linke Fuß zur Seite bewegt wird, während man sich verbeugt. Mit einem Kratzfuß verabschiedet man sich untertänigst. Das Wort ist seit dem 19. Jahrhundert belegt. (Seidel 2019, 11)
  • Abt: Zurück geht dieses Wort auf die aramäische biblische Gebetsanrede abbá („Vater“). Über das spätgriechische ábbas und das kirchenlateinische abbatem findet es seinen Weg ins Althochdeutsche als abbat. Im Mittelhochdeutschen wandelt sich der Begriff zu apt, bis sich der Ausdruck Abt für einen kirchlichen Würdenträger im
    9. Jahrhundert etabliert. (Mackowiak 2023, 17)
  • Adieu: Wo kommt dieser Abschiedsgruß her? Im 17. Jahrhundert ist es in Deutschland sehr modern, sich des Französischen zu bedienen. Diese Abschiedsformel stammt daher. Entstanden ist der Ausdruck aus dem lateinischen ad deum, was so viel wie „Gott befohlen“ bedeutet - ähnlich dem im Süddeutschen geläufigen „Grüß Gott“. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 9)
  • Amt: Dieses Wort geht auf das gallorömische ambaktos zurück. Gallorömisch ist die Varietät des Keltischen, das zur römischen Zeit in Gallien - im heutigen
    Frankreich - gesprochen wird. Ambaktos bedeutet so viel wie „Gefolgsmann, herumreisender Bote“. Es ist also eine Art Angestellter aus dem Umkreis des Stammeshäuptlings, der mit bestimmten Verwaltungsaufträgen betreut ist. Bekannt ist das Wort seit dem 8. Jahrhundert. (Seidel 2019, 48)
  • Anekdote: Jeder hat wahrscheinlich die ein oder andere lustige oder denkwürdige Geschichte zu erzählen. Die Bezeichnung dafür geht auf den Geschichtsschreiber Prokop zurück. Im 6. Jahrhundert verfasst er die verherrlichenden Schriften über Kaiser Justitian, bei dem er als Schreiber angestellt ist. Nach dessen Tod bringt er aber auch eine Art Geheimgeschichte heraus, die auf Klatsch und Gerüchten basiert. Der Titel der Schrift lautet: „Anekdota“. Das griechische Wort an-ékdota bedeutet „Nicht-Editiertes, Nicht-Herausgegebenes“. In seinem Werk schildert Prokop das sittenlose und ausschweifende Leben des Kaisers und seiner Ehefrau Theodora. (Seidel 2019, 11)
  • Armbrust: Klar, die Armbrust wird mit den Armen vor der Brust gehalten, also ziemlich eindeutig, wie das Wort entstanden ist, oder? Tatsächlich nicht. Etymologisch entstammt der Begriff dem Lateinischen. Das Wort arcuballista bezeichnet in der Antike eine Art Bogenschleuder. Zusammengesetzt ist es aus den Worten arcus („Bogen“) und dem aus dem Griechischen entlehnten ballista („Schleudermaschine“) und wird im 12. Jahrhundert zur Armbrust. (Mackowiak 2023, 20)
  • ätzend: Etwas, das ätzend ist, macht entweder etwas kaputt oder nervt uns gewaltig. Seinen Ursprung hat der Ausdruck im Althochdeutschen, wo azen „essen“ bedeutet. Der erste Beleg für das Wort geht auf das 9. Jahrhundert zurück. In der Jägersprache wird das Wort Atzung für „Nahrung“ beibehalten und im Prinzip auch in der Chemie, in der ätzen so viel wie „zerfressen“ bedeutet. In der Umgangssprache wird das Wort allerdings zur starken Abwertung verwendet. (Seidel 2019, 11)
  • Bankrott: Diese Bezeichnung dafür, finanziell am Ende zu sein, kommt aus dem Italienischen des 15./16. Jahrhunderts. Dort ist es Usus, dass ein Geldwechsler, der nicht mehr in der Lage ist, seine Gläubiger auszuzahlen, Besuch von ihnen bekommt und sie seinen Tisch (banca) zerschlagen (rottare). (Seidel 2019, 131)
  • Berserker: Das Wort bedeutet „wilder Krieger“ oder „kampfwütiger Mensch“ und wird Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem Altisländischen entlehnt. Es ist eine Zusammensetzung aus ber („Bär“) und serkr („Hemd, Gewand“). Ursprünglich werden damit Krieger bezeichnet, die sich in ein Bärenfell hüllen. Sie glauben, die Kräfte des Bären würden dabei auf sie übergehen. So verkleidet, hoffen sie, mit der Wildheit und Stärke des Bären siegreich aus dem Kampf hervorzugehen. Kurioserweise gibt es auf Island gar keine Bären. Nur sehr selten verirrt sich einer dorthin. (Schomburg/Schautz 2020, 10)
  • Blaustrumpf: Mit diesem Wort wird bis weit ins 20. Jahrhundert eine Frau bezeichnet, die zwar über einen hohen Intellekt verfügt, aber dafür über keinerlei weiblichen Charme. Einem Blaustrumpf wird nachgesagt, sich mehr für die Wissenschaft als für Männer zu interessieren und mit ihrem Intellekt Männer abzuschrecken. Bei diesem Wort handelt es sich um eine Lehnübersetzung aus dem Englischen: bluestocking. Die Geschichte dazu geht so: Im 18. Jahrhundert gründet Lady Montague einen sogenannten schöngeistigen Zirkel, bei dem intellektuelle sowie politische Diskussionen geführt werden. Das Besondere: Hier werden nicht nur (wie bei den meisten gesellschaftlichen Treffen) mit irdischen Gütern ausgestattete Personen zugelassen, sondern vor allem Menschen, die sich gerne an Diskussionen beteiligen und am Weltgeschehen interessiert sind. Unter ihnen auch der intelligente, aber einigermaßen arme Botaniker Benjamin Stillingfleet. Dieser ist unter anderem dafür bekannt, dass er statt der gesellschaftlich akzeptierten schwarzen Seidenstrümpfe blaue Garnstrümpfe trägt. Der skandalöse Verstoß gegen die Etikette spricht sich schnell herum und bald werden alle Mitglieder von Lady Montagues Zirkel – unabhängig von ihrem Geschlecht – als bluestockings bezeichnet. (Schomburg/Schautz 2020, 14)
  • blümerant: Ach, mir wird ganz blümerant! Damit wird ausgedrückt, dass man sich schwindelig oder flau fühlt. Der Ausdruck ist mittlerweile veraltet und eine Entlehnung aus dem Französischen des 17. Jahrhunderts. Bleu mourant (wörtlich: „sterbendes Blau“, gemeint: blass-blau) bezeichnet die Gesichtsfarbe, die Damen bekamen, wenn sie aufgrund ihrer zu eng geschnürten Korsetts und der schlechten Luftverhältnisse Schwindelanfälle erleiden. (Schomburg/Schautz 2020, 19)
  • Börse: Diese Bezeichnung für einen Handelsplatz geht auf eine reiche Kaufmannsfamilie zurück. Die flandrische Familie van Beurse bzw. Burse ist im spätmittelalterlichen Brügge ansässig. Dies ist damals einer der wichtigsten Handelsplätze. Vor oder in ihrem Haus werden Geschäfte abgeschlossen und 1409 dafür ein eigenes Gebäude errichtet – die Börse. Von Brügge aus wird diese Bezeichnung für das zentrale Handelszentrum in den deutschen Sprachraum übernommen. (Seidel
    2019, 131)
  • Boykott: Mit einem Boykott wird eine kollektive Ächtung ausgedrückt. Das Wort selbst geht auf eine tatsächliche Person zurück. Charles Cunningham Boycott ist ein Gutsverwalter im 19. Jahrhundert. Er terrorisiert die Pächter seines Lords über Jahre hinweg, gestattet ihnen auch in Hungerszeiten keine Pachterleichterung und treibt alle ausstehenden Summen unnachgiebig ein. Als Reaktion darauf wird von der irischen Landbevölkerung 1880 ein Bann über ihn verhängt - niemand arbeitet mehr für ihn. (Seidel 2019, 21)
  • Brief: Dieses Wort stammt aus dem Lateinischen. Mit breve werden kurze Verzeichnisse oder Listen bezeichnet. Zunächst ist das Wort der Kanzleisprache vorbehalten und wird im Sinne von „Schreiben“ oder „Urkunde“ verwendet. In der mittelhochdeutschen Zeit (ca. 12. Jahrhundert) entwickelt sich aus der Zusammensetzung Sendebrief die heutige Bedeutung. Das Wort Breve hat sich weiterhin in der Kirchensprache für päpstliche Erlasse in einfacher Form gehalten. (Mackowiak 2023, 26)
  • Brimborium: Wenn jemand in unseren Augen übertriebenen oder überflüssigen Aufwand um etwas betreibt, bezeichnen wir es oft als Brimborium. Die heutige Bedeutung des Wortes ist das erste Mal bereits im 19. Jahrhundert nachgewiesen. Das französische Wort briborion („Lappalie“) geht auf das mittelfranzösische Wort breborion bzw. briborion zurück, das so viel wie „Zaubergebet“ oder „Zauberformel“ bedeutet und vermutlich aus dem Kirchenlatein stammt, in dem das Wort breviarium so viel wie „Verzeichnis“ oder „Auszug“ bedeutet. (Schomburg/Schautz 2020, 22)
  • Chauvinist: Wenn wir dieses Wort heute verwenden, meinen wir einen misogynen (frauenfeindlichen) oder aggressiv nationalistischen Menschen. Die Bezeichnung geht zurück auf eine fiktive Figur aus einem seinerzeit sehr populären französischen Lustspiel der Brüder Cogniard. Im 19. Jahrhundert erheitert der junge Soldat Nicolas Chauvin in einem Stück die Zuschauer mit seiner blinden Gefolgschaft für den Kaiser Napoleon. Darüber hinaus ist er zutiefst frauenfeindlich, übertriebener Nationalist, Rassist und missachtet die Rechte und die Würde anderer. Von dieser Karikatur stammt die uns heute bekannte Bezeichnung für einen Chauvinisten. (Seidel 2019, 21)
  • Devise: Hat diese Bezeichnung für ein Motto oder einen Leitspruch etwas mit dem Dividieren zu tun? Tatsächlich mehr oder weniger. Dividere bedeutet auf Latein „teilen“ oder „abteilen“ und wird im Mittelalter im Französischen als devise für das abgeteilte Feld eines Wappens verwendet. Meistens steht im unteren Wappenfeld der Wahlspruch der Adeligen, zu denen das Wappen gehört. Das Wort devise wird bald synonym für den Wahlspruch angewendet und wandert dann nur noch mit dieser Bedeutung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in die deutsche Sprache ein. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 41)
  • drakonische Gesetze und Strafen: Besonders hart erscheinende Strafen bezeichnen wir als drakonisch. Der Begriff hat allerdings höchstens nur indirekt etwas mit den geflügelten Fabelwesen zu tun. Er geht auf den Eigennamen Drakon zurück (was tatsächlich so viel wie „Drache“ bedeutet). Um 620 fertigt dieser athenische Aristokrat die erste Aufzeichnung geltenden Rechts an. Als Gesetzgeber legt er besonders strenge Strafen für Verbrechen fest. Tatsächlich geht auch der bedeutsame Unterschied zwischen Mord und Totschlag auf ihn zurück. (Seidel 2019, 31)
  • eintrichtern: Wer jemand anderem etwas eintrichtern möchte, will möglichst viel Wissen an die andere Person weitergeben. Oder ihn sogar in einer bestimmten Weise manipulieren. Aber was hat ein Trichter mit Wissen zu tun? Tatsächlich geht dieser Begriff auf das 17. Jahrhundert zurück. Der Autor G. P. Harsdörffer veröffentlicht den „Nürnberger Trichter“, ein Werk, in dem es darum geht, die „Teutsche Dicht- und Reimkunst [...] in sechs Stunden einzugießen“. Die Trichter-Metapher geht also auf dieses Werk zurück. (Seidel 2019, 12)
  • Elend: Im Mittelalter wird jemand, der aus der Fremde kommt, als ellende
    bezeichnet – meistens ist damit ein Verbannter gemeint. Verbannte sind nicht nur fern ihres eigenen Landes, sondern meistens auch recht- und schutzlos, was der
    heutigen - seit dem 18. Jahrhundert geläufigen - Bedeutung von „Elend“ durchaus nahekommt. (Seidel 2019, 12)
  • faszinierend: Etwas, das uns fasziniert, interessiert uns in besonderem Maße. Der Ursprung des Wortes stammt aus dem Lateinischen. Fascinare bedeutet so viel wie „behexen, besprechen“. Darin enthalten ist das Wort fas, das auch mit „Schicksal“ übersetzt werden kann. Hinter diesem Begriff steht der Glaube, dass das Schicksal der Menschen vorherbestimmt ist, meist von einer Gottheit oder anderen übernatürlichen Mächten. Bis zum 18. Jahrhundert meint „faszinierend“, dass jemand an sein Schicksal gefesselt ist. Diese Bedeutung ist allerdings in Vergessenheit geraten. (Seidel 2019, 12 f.)
  • Fatzke: Einen grundlos eingebildeten und eitlen Mann betiteln wir gerne als Fatzke. Ab 1900 wandert dieses Wort aus der Berliner Umgangssprache in den gesamtdeutschen Sprachraum. Das Suffix -ke ist die niederdeutsche Verkleinerungsform. Fatz geht wahrscheinlich auf das veraltete Verb fatzen zurück, was so viel wie „verspotten“ bedeutet. Der Ursprung dieses Verbs liegt im Lateinischen, wo facetia „Scherz“ oder „Laune“ bedeutet. (Mackowiak 2023, 39)
  • Fiasko: Dieses Wort stammt von italienischen Glasbläsern. Wenn ein Lehrling sich an einer etwas komplizierteren Form versucht, am Ende aber doch nur eine einfache Flasche erhält, wird im Publikum häufig „Altro fiasco!“ („Noch eine Flasche!“) gerufen. Übertragen wird dieses Wort dann in die Welt der Oper, in der misslungene Töne als Fiasko kommentiert werden. Häufig wird dem so verspotteten Sänger dann auch noch eine leere Flasche um den Hals gehängt und damit seine Demütigung gesteigert. Ab dem 19. Jahrhundert ist der Begriff in der deutschen Sprache bekannt. (Schomburg/Schautz 2020, 26)
  • Firlefanz: Dieser seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesene Ausdruck geht auf das mittelhochdeutsche Wort firli-fanz zurück, das einen Springtanz beschreibt. Sprachgeschichtlich wird davon ausgegangen, dass es eine Wortzusammensetzung aus dem altfranzösischen virelai („Ringellied“) und dem mittelhochdeutschen vanz („Possen“) ist. So oder so, der Begriff geht auf eine fröhliche und lustige Bewegung zurück, was nach wie vor in dem Wort mitschwingt. (Schomburg/Schautz 2020, 30)
  • Floskel: Sätze, die nichts zum Inhalt eines längeren Textes beitragen oder nur der Höflichkeit halber verwendet werden, bezeichnen wir als Floskeln. Im deutschen Sprachraum ist der Begriff seit dem 17. Jahrhundert geläufig. Ursprünglich kommt er aus dem Lateinischen. Floscolus bedeutet „Blümchen“ oder „Zierde“. In der Rhetorik der Antike wird dieser Begriff für eine ausschmückende, aber nichtssagende Redensart verwendet und geht mit dieser Bedeutung auch in die deutsche Sprache ein. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 51)
  • Folter: Etwa um 1400 tritt das Wort foltrit das erste Mal für ein Foltergerät auf. Ganz geklärt ist der Ursprung nicht, es kann aber sein, dass es auf das mittellateinische poledrus („Fohlen“) zurückgeht, mit dem ein Foltergerät bezeichnet wird, das die Form eines kleinen Pferdes hat. (Mackowiak 2023, 43)
  • Foyer: Wie der Wortklang schon vermuten lässt, wurde das Wort aus Frankreich übernommen. Foyer bedeutet im Französischen allerdings „Herd“ oder „Feuerstelle“. Damit wird ein geheizter Aufenthaltsraum in französischen Theatern bezeichnet, in dem sich die Schauspieler zwischen ihren Auftritten aufwärmen können. Später wird der Begriff dann auch auf die gewärmte Eingangshalle übertragen und kommt mit dieser Bedeutung im 18. Jahrhundert auch nach Deutschland. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 52)
  • Galan: Dieser mittlerweile eher spöttisch verwendete Ausdruck für einen Liebhaber oder Verehrer wird früher durchaus ernst verwendet. Um 1600 wird das spanische Wort gálan („Liebhaber“) in die deutsche Sprache übernommen. Zunächst ist
    damit – ausgehend vom spanischen Substantiv gala („Festkleidung“) – ein elegant gekleideter Höfling gemeint, später wird so ein vornehm auftretender und über feine Manieren verfügender Verehrer bezeichnet. (Schomburg/Schautz 2020, 35)
  • Gesindel: Dieses mittlerweile doch sehr negativ konnotierte Wort hat in seinem Ursprung noch keine negative Bedeutung. Bezeichnet wird damit eine kleine Gefolgschaft oder Kriegerschar, was sich vom mittelhochdeutschen Wort Gesinde ableitet. Außerdem sind mit Gesindel auch die Reisegefährten gemeint, beziehungsweise die Menschen, die den gleichen Weg haben wie man selbst. Später wird mit dem Begriff die Dienerschaft bezeichnet, bis sich schließlich die Bedeutung im 16. Jahrhundert ändert und abwertend herumtreibendes Volk oder Pack bezeichnet. (Schomburg/Schautz 2020, 38/154)
  • Glocke: Dieses Wort kommt über irische Missionare im 6. und 7. Jahrhundert in unseren Wortschatz. Die Mönche bringen das Wissen über die Kunst des Glockengießens mit nach Nordeuropa. Das altirische Wort heißt (vermutlich lautmalerisch) cloc(c). Im Althochdeutschen heißt es dann glocke oder glocka, im Mittelhochdeutschen glocke. Interessanterweise ist dieses Wort fast die einzige Spur, die die irischen Missionare in der deutschen Sprache hinterlassen haben. (Duden
    2022, 43)
  • Gobelin: Dieses mittlerweile etwas veraltete Wort bezeichnet einen Wandteppich. Es geht auf die einflussreiche Färberfamilie Gobelin zurück, die in Paris ansässig ist und Wandteppiche für ein gehobenes Publikum herstellt. In Europa gehören Wandteppiche seit dem 15. Jahrhundert zur Raumausstattung eines jeden besseren Haushalts. Sie sind sehr teuer und aufwändig herzustellen und gelten noch vor Gemälden als die wertvollsten Kunstwerke - Künstler wie Rubens und Raffael liefern Vorlagen für Bildteppiche. (Seidel 2019, 21)
  • Graf: Dieser Adelstitel bezeichnet bei den frühen Merowingern (Mitte des 5. Jahrhunderts bis 751) zunächst einen Vollstreckungsbeamten, dann einen königlichen Beamten mit administrativen und richterlichen Befugnissen. Bei den Karolingern (ab 751) werden Grafen auch mit Land belehnt und seit dem Ende des 12. Jahrhunderts sind Grafen ein Adelsstand. Etymologisch geht das Wort auf den byzantinischen Hoftitel grapheus („Schreiber“) zurück, der mittellateinisch graphio bezeichnet wird. Im Althochdeutschen heißt die Bezeichnung zunächst grāvo, im Mittelhochdeutschen grāve. (Mackowiak 2023, 46)
  • grotesk: Etwas seltsam Anmutendes oder Merkwürdiges bezeichnen wir als grotesk. Decken- und Wandmalereien, die in Grotten gefunden werden, werden als Grotesken bezeichnet, zurückgehend auf das italienische Wort grotteschi. Die Malereien, von denen meist nur noch Bruchstücke erhalten sind, erscheinen den Betrachtern seltsam oder merkwürdig. In der Renaissance werden die Wandmalereien nach antikem Vorbild wieder als Teil der Kunst in Italien aufgenommen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts verändert sich die Bedeutung, löst sich von der Malerei und wird zu einem Synonym für „absonderlich“. (Seidel 2019, 13)
  • Hagestolz: Als Hagestolz wird ein allein lebender, unverheirateter Mann bezeichnet, allerdings mit einer etwas negativen Konnotation. Solchen Menschen unterstellt man gern eine gewisse Schrulligkeit und mitunter auch Frauenfeindlichkeit. Das Wort ist mittlerweile etwas veraltet und bereits seit dem 13. Jahrhundert belegt. Es leitet sich aus dem Gotischen ab und bedeutet so viel wie „Hagbesitzer“. Ein Hag ist ein bebautes Grundstück neben dem eigentlichen Hof, häufig zu klein, um dort eine eigene Familie zu gründen, weshalb der Bewohner – meist der jüngere Sohn der Familie – Junggeselle bleibt. (Schomburg/Schautz 2020, 41/43)
  • Halunke: Diese Bezeichnung für einen Kriminellen – meist eher einen Kleinkrimineller – lässt sich auf zwei unterschiedliche Quellen zurückführen. Einerseits auf das alttschechische Wort holomek, das so viel wie „Diener“, „Gauner“ oder „Henkersknecht“ bedeutet. Und andrerseits auch auf das ostmitteldeutsche Wort Holunke („Bote, Stadtdiener“). In beiden Wortursprüngen steckt das Wort holy, was in beiden Sprachen „kahl“, „nackt“ oder „bloß“ bedeutet. Im Tschechischen bezieht es sich auf den nackten Hodensack eines jungen Mannes, im Ostmitteldeutschen auf die kahle Heidelandschaft. Bekannt ist Halunke im deutschen Sprachraum seit dem
    16. Jahrhundert. (Schomburg/Schautz 2020, 47)
  • hanebüchen: Etwas, das hanebüchen ist, ist absurd oder unfassbar. Früher hieß es hagebüchen und stammt vom mittelhochdeutschen Wort hagenbüechin, was etwas bezeichnet, das aus dem Holz der Hainbuche besteht. Das Holz dieser Buche ist besonders knorrig. Die Bedeutung „derb“ oder „grob“ verschiebt sich im 18. Jahrhundert vom Wörtlichen zum Figurativen und schlussendlich entwickelt sich die geänderte Wortform inklusive des modernen Wortsinns. (Schomburg/Schautz
    2020, 50)
  • Hängematte: Der Begriff stammt aus Haiti. Als dort im 15. Jahrhundert die spanischen Eroberer einfallen, sehen sie, dass die Taino, die dort leben, sich zum Schlafen in aufgehängte Tücher legen. Diese nennen sie hamáka. Die Spanier übernehmen diese Schlaftücher für die Matrosen am Bord der Schiffe, da sie beim Schaukeln des Schiffes mitschwingen und so den Schlaf nicht stark stören. Nach Umwegen über Spanisch (hamaca), Französisch (hamac) und Englisch (hammock) erreicht das Wort Hängematte schließlich im 17. Jahrhundert den deutschen Sprachraum. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 57)
  • herrjemine: Ursprünglich ist dieser Ausdruck lateinisch, allerdings reichlich entstellt. Die Ursprungsform heißt Jesu domine („Herr Jesus“), wobei eigentlich nur domine wirklich lateinisch ist. Verwendung findet es im deutschen Sprachraum seit dem
    17. Jahrhundert. Herrjemine ist übrigens doppelt gemoppelt, denn in der Vollform hieße es Herr Jesus dominus, also „Herr Jesus Herr“. (Mackowiak 2023, 50 f.)
  • Hobby: Dieser Begriff für eine Freizeitbeschäftigung taucht bereits 1557 in England als hobyn für „kleines Pferd“ oder „Pony“ auf. Damit werden Steckenpferde bezeichnet. Der Begriff etabliert sich zunächst als hobbyhorse für die geschnitzten Pferdeköpfe, im
    17. Jahrhundert wird das Wort hobby bereits losgelöst davon für Freizeitaktivitäten verwendet. Damals ist die Konnotation aber eher negativ und das Wort wird herabwertend verwendet. Als im Zuge der Industrialisierung im 18. Jahrhundert die Menschen über mehr freie Zeit außerhalb der Arbeit verfügen, bekommt das Wort eine positivere Konnotation. Seit dem 20. Jahrhundert ist das Wort auch in Deutschland bekannt. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 61)
  • Hungertuch: Niemand von uns möchte wohl am Hungertuch nagen, oder? Dieser Ausdruck für Verarmung geht zurück auf das mittelhochdeutsche Wort hungertouch. Damit wird das Tuch bezeichnet, das zur Fastenzeit den Altar vom Rest der Kirche abtrennt. Dieses Tuch hat verständlicherweise das Ausmaß eines Wandteppichs. Das Tuch muss natürlich vorher noch genäht werden – der ursprüngliche Ausdruck heißt „am Hungertuch nähen“, zumindest bis ins 16. Jahrhundert. Später wird „nähen“ zu „nagen“ umgedeutet, da das Essensangebot während der Fastenzeit ja durchaus spärlich ist. (Schomburg/Schautz 2020, 54)
  • Insekt: Insekten haben sechs Beine und sind in drei Körperabschnitte gegliedert. Genauer gesagt: Sie sind zwischen Kopf und Brust sowie Brust und Hinterleib eingekerbt. Deshalb nennt man sie auch „Kerbtiere“, allerdings heutzutage kaum noch außerhalb von Insektenforscherkreisen. Tatsächlich ist „Kerbtier“ fast eine direkte Übersetzung von Insekt: éntoma zóa bedeutet so viel wie „eingeschnittenes Tier“ auf Griechisch. In der lateinischen Übersetzung wird dann daraus insectum (insectare bedeutet „einschneiden“ auf Lateinisch). Unter dieser Bezeichnung tauchen dann auch die ersten Insekten in deutschen wissenschaftlichen Büchern auf, bis das lateinische Wort im 17. Jahrhundert eingedeutscht wird. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 64)
  • Kaiser: Dieses Wort ist so alt, dass man eigentlich gar nicht davon sprechen kann, dass es ins Deutsche entlehnt wurde. Es wird davon ausgegangen, dass das Wort so alt ist, dass es Deutsch noch gar nicht gab. Im Prinzip wird das Wort ins Germanische entlehnt und von da aus als Erbwort ins Deutsche übernommen. Ganz ursprünglich stammt es natürlich aus dem Lateinischen und geht auf Gaius Julius Caesar zurück, dessen Beinamen Caesar die Germanen als Bezeichnung für einen „Herrscher“ (althochdeutsch keisar) adaptiert haben. Auch das slawische Wort Zar geht darauf zurück. (Mackowiak 2023, 54)
  • Kappe: Auch dieses Wort ist im Grunde dem Lateinischen entlehnt. Dort bezeichnet das Wort cappa einen „Kapuzenmantel“ oder eine „Kopfbedeckung“. Im Althochdeutschen wird ein Mantel mit Kapuze als kappa, kapfa oder gapfa bezeichnet. Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg zum heute geläufigen Wort. Belegt ist der Begriff erstmalig im 9. Jahrhundert. (Mackowiak 2023, 58)
  • Kapsel: Wir verwenden das Wort für alle möglichen kleinen und engen Behältnisse und auch in der Medizin. Ursprünglich stammt es aus dem Lateinischen. Die Grundform capsa („Behälter“) wird zu capsula („Kästchen“) verkleinert. Im Althochdeutschen wird die Entlehnung gleich zur Verkleinerungsform kapsilīn umgebildet. Die ersten Belege für den Begriff lassen sich im 15. Jahrhundert finden. (Mackowiak 2023, 59)
  • Karambolage: Dieses französische und dann ins Deutsche übernommene Wort für einen Zusammenstoß leitet sich von dem Wort caramboler ab, welches wiederum von carambole stammt, der Bezeichnung für die rote Kugel beim Billard. Anders als beim heute bekannten Billardspiel wird das französische mit nur drei Kugeln gespielt, von denen zwei weiß sind und eine rot ist. Als carambolage wird der Moment bezeichnet, in dem ein Spieler eine der anderen Kugeln mit einer weißen berührt. Im erweiterten Sinne wird bald jede Art von Zusammenstoß als carambolage bezeichnet und der Begriff geht mit dieser Bedeutung im 19. Jahrhundert ins Deutsche über. (Schomburg/Schautz 2020, 59)
  • Karre: Dieses Substantiv geht auf das lateinische carrus („Viehwagen, Karren“) zurück, was seinerseits auf das gallische Wort karros zurückgeht. Sowohl karros als auch carrus haben einen Bezug zum Verb currere („laufen, eilen“) und sind indogermanisch - die Ursprache, auf die fast alle europäischen Sprachen zurückgehen - verwandt. Seit dem 10. Jahrhundert ist das Wort im deutschen Sprachraum bekannt. (Mackowiak
    2023, 59 f.)
  • Käse: Sprachgeschichtlich geht das Wort zurück auf das lateinische Verb coascere („sauer werden“). Daraus wird caseus (wörtlich: „das sauer Gewordene“), im althochdeutschen dann chāsi oder kāsi und von dort aus ist es auch nur noch ein kleiner Schritt zum heute geläufigen Käse. Übrigens: Auch die Germanen
    (1. Jahrtausend v. Chr. bis ca. 6. Jahrtausend n. Chr.) kennen Käse bereits. Allerdings fehlt ihnen das Wissen, um festen Labkäse wie die Römer herzustellen, weshalb Weichkäse (caesus mollis) bei ihnen weitaus geläufiger ist. (Mackowiak 2023, 60)
  • kasteien: Dieses Wort aus dem Kirchenkontext ist schon seit dem 8. Jahrhundert belegt. Zurück geht es auf das lateinische Adjektiv castus („anständig, keusch“), das wiederum auf das Verb carere („ohne etwas sein, entbehren“) zurückgeht. Daraus wird das mittellateinische/kirchenlateinische castigare („zurechtweisen, rügen“). Im Althochdeutschen ist es als kestigōn bekannt, bevor es im Mittelhochdeutschen zu kestigen wird. Die neuhochdeutsche Form geht zurück auf die Schriften von Martin Luther. (Mackowiak 2023, 61)
  • Kauderwelsch: Unverständliches Gebrabbel bezeichnen wir als Kauderwelsch. Ursprünglich bezeichnet das Wort die schwer verständliche Sprache der Rätoromanen aus dem Rheintal von Chur, genannt „Churromanisch“. Das Adjektiv welsch meint die keltischen Bewohner westeuropäischer Gebiete. Daraus wird dann das Wort Kaurerwelsch, das im 16. Jahrhundert zum heutigen Kauderwelsch mutiert. (Schomburg/Schautz 2020, 63)
  • Kiosk: Das Wort hat einen langen Weg hinter sich, bis es in seiner heutigen Bedeutung im Deutschen ankommt. Vor über 1000 Jahren werden in Persien kleine Pavillons in Palastgärten als Kúsk bezeichnet. Dort wird allerdings noch nichts verkauft. Über Persien wandert es in die Türkei (kyösk), dann über Italien (chiosco) und Frankreich (kiosque) nach Deutschland ein. Wer etwas auf sich hält, hat im 18. Jahrhundert einen Lustgarten und dort einen Kiosk zum Verschnaufen. In Frankreich des
    19. Jahrhunderts entsteht dann die Idee, diese Kioske auch in öffentlichen Parks zu errichten und dort Blumen und Zeitungen zu verkaufen. Diese Idee wird dann auch in Deutschland übernommen und bald bezeichnet das Wort kleine Verkaufsstände aller Art. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 69)
  • Kladderadatsch: Dieses Wort entsteht aus dem lautmalerischen Geräusch, das bei Klirren, Splittern oder Krachen zu hören ist. Im Niederdeutschen wird „Kladatsch!“ gerufen, wenn etwas herunterfällt und zu Bruch geht. Daraus wird sogar ein eigenes Verb: kladatschen. Bekannt wird es über den niederdeutschen Sprachraum hinaus durch das 1848 gegründete politisch-satirische Wochenblatt mit dem gleichen Namen. Unter Bismarck vertritt es eine nationalliberale Position und unterstützt später den Nationalsozialismus. (Schomburg/Schautz 2020, 66/158)
  • Krösus: Als Krösus bezeichnen wir jemanden, der besonders reich ist. Krösus ist der letzte König von Lydien (6. Jahrhundert vor Christus) in der heutigen Türkei. Sein Reich ist das größte, das die Griechen bis dahin kennen. Es besitzt reiche Bodenschätze sowie eine günstige Lage zum Handeltreiben. Dies ist der Grund für Krösus’ unermesslichen Reichtum. Er spendet wertvolle Geschenke an Orakelstätten und ist finanziell am Bau des Artemis-Tempels in Epheus beteiligt, einem der sieben Weltwunder. Schlussendlich wird er von den Persern besiegt, aber sein Name ist heute noch in aller Munde. (Seidel 2019, 32)
  • Kutsche: Nur selten lässt sich der Ort, an dem ein Wort entstanden ist, ganz genau benennen. Bei Kutsche ist das allerdings der Fall. Kocs ist ein kleiner Ort in Ungarn, der sich ziemlich genau auf der Hälfte der Strecke zwischen Budapest und Wien befindet. Dort werden im 16. Jahrhundert gerne die Pferde gewechselt. Außerdem ist der Ort bekannt für seine talentierten Wagenbauer, die nicht nur gut gefederte Wagen bauen, sondern diese auch mit einem schicken Verdeck versehen. Diese werden als kocsi szekér („Wagen aus Kocs“) bezeichnet. Mit den Fahrgästen reisen nicht nur die Wagen, sondern auch die Bezeichnung nach Deutschland ein. Zunächst als „Cotschien Wägnen“, woraus „Gutschenwagen“ wird, die abgekürzt als „Gutsche“ oder „Kotsche“ bezeichnet werden. Von dort ist es dann sprachlich gesehen kein weiter Weg zur heute bekannten Kutsche. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 70)
  • Lappalie: Eine Kleinigkeit bezeichnen wir als Lappalie, aber hat es etwas mit einem Lappen zu tun? Tatsächlich ja. Die Studenten des 17. Jahrhunderts, die viel mit lateinischen Begriffen arbeiten, verwenden in humoristischer Weise das pseudo-latinisierte Wort Lappalia für alltäglichen Kleinkram. Daraus wird im Laufe der Zeit das heute geläufige Wort Lappalie. (Seidel 2019, 14)
  • Larifari: Wir benutzen dieses Wort, wenn jemand nicht gut arbeitet oder wir etwas unsinnig finden. Der umgangssprachliche Ausdruck wird Anfang des 18. Jahrhunderts aus den italienischen Notenbezeichnungen la, re, fa, re gebildet und erfährt eine schnelle Verbreitung über den gesamten deutschen Sprachraum. Mit den Bezeichnungen ist es möglich, sich beim Üben von Melodien die jeweilige Tonfolge als meist sinnlosen Text zu merken. Um das Jahr 1000 hat ein Benediktinermönch die Idee, die Töne der damals noch sechsstufigen Tonleiter mit den Anfangsbuchstaben des Johannes-Hymnus zu bezeichnen und schafft es so, die Lernzeit für die Choräle gregorianischer Gesänge von zirka zehn Jahren auf ein Jahr zu verkürzen, da sie sich so besser einprägen. (Schomburg/Schautz 2020, 71/159)
  • Magier: Der Ursprung des Wortes stammt aus dem Altpersischen. Das Wort magus bezeichnet einen Volksstamm, der mit priesterlich-rituellen Aufgaben betraut ist. Die Griechen verstehen unter dem Begriff mágos auch „Traumdeuter“ oder „Sterndeuter“. Im griechischen Urtext der Bibel werden etwa die drei Heiligen aus dem Morgenland als mágoi bezeichnet. Im deutschen Sprachraum ist der Begriff seit dem 16. Jahrhundert bekannt. (Seidel 2019, 42)
  • makaber: Dieses Wort gibt Sprachwissenschaftlern bis heute einige Rätsel auf. Ganz sicher ist sich niemand, woher es eigentlich kommt, aber die gängige Theorie ist, dass es aus dem Hebräischen (mekaber = „begraben“) oder Arabischen (maqbar = „Grab“) stammt. Im Französischen wird daraus das Adjektiv macabre. Durch den danse macabre – einer mittelalterlichen Kunstform, die Tanz und Tod in allegorischen Bildern zeigt – verbreitet sich das Wort dann im 19. Jahrhundert weiter. Aus diesem ungewöhnlichen Kontrast von Tanz und Tod entsteht die heutige Bedeutung des Wortes. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 77)
  • Marotte: Als eine Marotte bezeichnen wir eine seltsame Verhaltensweise oder persönliche Eigenart, die sich im Alter noch zuspitzt. Das Wort selbst stammt vom Namen „Marie“ ab. Mit dem französischen Verkleinerungssuffix wird daraus „Marotte“. Dieser bezeichnet zunächst Marienbilder oder Heiligenfiguren und dann eine Puppe oder Marionette. Später wird die Bezeichnung für Narrenzepter übernommen, an deren Spitze sich ein Puppenkopf befindet. Die übertragene Bedeutung einer närrischen Idee wird im 18. Jahrhundert in den deutschen Sprachraum entlehnt. (Schomburg/Schautz 2020, 75)
  • mauscheln: Mausche ist die ursprüngliche aschkenaische Form von „Moses“. Im
    17. Jahrhundert wird die Verkleinerungsform Mauschel als antisemitischer Spottname für Juden verwendet. Daraus wird das Verb mauscheln, womit der Klang des für viele unverständliche Jiddisch gemeint ist. In das Wort wird auch eine gewisse Art der Heimlichtuerei hineininterpretiert und so kommt es zur Bedeutung „betrügen“ oder „schummeln“. Zwar stammt das Wort aus dem Hebräischen, verwendet wird es aber ursprünglich als sprachliche Diskreditierung durch Antisemiten. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 80)
  • Melancholie: Dieses Wort für Trübsinn kennt der deutsche Sprachraum bereits seit 1300. Im Spätmittelhochdeutschen ist der Begriff melancolie bekannt. Es ist eine Entlehnung aus dem Lateinischen (melancholia). Etwa 400 Jahre vor Christus wird es vom Arzt Hippokrates erfunden. Seiner Meinung nach entsteht das Gefühl durch schwarze, verbrannte Galle, die ins Blut gelangt. Das griechische Wort für „schwarze Galle“ ist meláncholos. Den schwermütigen Zustand bezeichnet Hippokrates dann als melancholía. Bis zum Ende des Mittelalters wird mit Melancholie alle möglichen Krankheitsbilder beschrieben: Epilepsie, Asthma, Migräne oder auch Lähmungen. Erst später entsteht dann die heutige Bedeutung. Bis ins 19. Jahrhundert wird als Melancholie das bezeichnet, das wir heute als Depression kennen. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 81)
  • Mumpitz: Ein niedlich anmutendes Wort für unsinniges Gebrabbel, wirres Reden oder einfach Quatsch. Es entstammt dem Berliner Börsenjargon des 19. Jahrhunderts. Mumpitz bezeichnet dort ein erschreckendes oder lügenhaftes Gerede, das zu ernsthaften Kursschwankungen führen kann. Wahrscheinlich wird das Wort aus Mumme („verhülltes Schreckgespenst“) und Butze („Kobold“) zusammengesetzt und verbreitet sich schnell in der Umgangssprache. (Schomburg/Schautz 2020, 78)
  • Murmel: Bereits kleine Ägypter, Römer und Griechen spielen mit kleinen Kugeln. Diese sind damals meist aus Marmor, woher auch die Bezeichnung stammt: Das lateinische Wort marmor kommt ursprünglich vom griechischen mármaros, was so viel wie „kristallener Stein, der im Licht funkelt“ bedeutet. Im 18. Jahrhundert verengt sich der Begriff zur Bezeichnung einer kleinen Spielkugel. Im Mittelhochdeutschen sagt man auch häufig Marmel, was heutzutage in einigen Regionen noch die Bezeichnung ist. Mit dem Wort murmeln oder Murmeltier hat die kleine Kugel übrigens nichts zu tun. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 87)
  • Negligé: Der Ursprung dieses Wortes liegt natürlich im Französischen. Madame Pompadour, die berühmte Mätresse von Ludwig XV., hat angeblich nicht nur das Kleidungsstück, sondern auch gleich den Namen erfunden. Sie gibt modisch in der Mitte des 18. Jahrhunderts den Ton an und soll zu informellen Frühstücken im Boudoir gerne einen eleganten und weit fallenden Morgenmantel tragen. Das Verb négliger bedeutet so viel wie „vernachlässigen“. Demnach ist das Negligé ein Kleidungsstück, dass man im privaten Kontext trägt und einfach schnell überwirft, ohne sich großartig herzurichten. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 88)
  • Ohrfeige: Was hat ein Schlag mit einer leckeren Feige zu tun? Tatsächlich gar nichts. Feige kommt in diesem Fall vom niederländischen vegen, was so viel wie „wischen, fegen, quetschen“ bedeutet. Also wird in der wörtlichen Bedeutung über das Ohr gefegt – was ja auch tatsächlich passiert. Belegt ist diese Bezeichnung für einen Schlag erstmals zirka im 13. Jahrhundert. (Seidel 2019, 15)
  • Opfer: Das Verb opfern stammt aus der Kirchensprache. Über das althochdeutsche opfarōn wird es aus dem lateinischen operari („tätig sein, eine religiöse Handlung durchführen“) entlehnt. Wahrscheinlich ist es auch mit dem lateinischen offere („darbringen“) verwandt. Schon sehr früh (ungefähr im 8. Jahrhundert) wird bereits das dazugehörige Substantiv opfar (althochdeutsch) gebildet. (Mackowiak 2023, 106)
  • ordnen: Ordnung ist das halbe Leben, nicht wahr? Sprachgeschichtlich stammt das Wort vom lateinischen Verb ordinare („in Reihen zusammenstellen, ordnen, anordnen“) ab, welches wiederum vom Substantiv ordo („Reihe, Stand, Ordnung“) abgeleitet ist. Im Althochdeutschen kennt man es als ordinōn, im Mittelhochdeutschen als ordenen, bis es zum uns heute geläufigen ordnen wird. Die ersten Belege lassen sich bereits im 9. Jahrhundert finden. (Mackowiak 2023, 107)
  • Palaver: Wir bezeichnen unnötiges Gerede häufig als Palaver, während es in weiten Teilen Afrikas als Teil guter Umgangsformen gilt. Wie kommt das? Durch portugiesische Händler gelangt das Wort palavra („Unterredung“) im 18. Jahrhundert an die afrikanische Küste. Die Händler bezeichnen damit die Verhandlungen mit den Einheimischen, die sie selbst oft als kompliziert und langwierig empfinden. Durch diese Händler gelangt das Wort und auch seine negative Konnotation im 19. Jahrhundert schließlich in den deutschen Sprachraum. (Schomburg/Schautz 2020, 82)
  • Pappenstiel: Das ist doch kein Pappenstiel! Das Wort ist das erste Mal fürs
    17. Jahrhundert belegt und soll eine Verkürzung des Wortes Pappenblumenstiel sein. Pappenblume ist die Bezeichnung für den Löwenzahn. Aufgrund der geringen Wertschätzung der als Unkraut angesehenen Pflanze kommt so der Pappenstiel als Bezeichnung für etwas kaum Nennenswertes in unseren Sprachgebrauch. (Schomburg/Schautz 2020, 87)
  • Papperlapapp: Wir nutzen diesen Ausruf, um unserem Gegenüber zu vermitteln, dass dieser gerade Unsinn erzählt. Papperlapapp ist eine Zusammensetzung aus papp, das wir aus pappsatt kennen – also „komplett gesättigt, nichts geht mehr“ – und dem lautmalerischen Verb pappeln, das so viel wie „schwatzen“ bedeutet. Genau genommen bedeutet es also: „Ich bin satt von deinen Worten, hör auf zu schwatzen.“ Bekannt ist das Wort seit dem 18. Jahrhundert. (Schomburg/Schautz 2020, 90)
  • pauschal: In der Redewendung in Bausch und Bogen schreibt man früher statt „Bausch“ häufig auch „Pausch“. In der österreichischen Kanzleisprache wird dieses Wort in der Barockzeit latinisiert zu pauschalis, was so viel wie „insgesamt genommen“ bedeutet. Daraus entwickelt sich dann in der Kaufmannssprache des 19. Jahrhunderts die Pauschale. (Seidel 2019, 15)
  • Pest: Der sprachgeschichtliche Ursprung der meist tödlichen Krankheit liegt im Lateinischen. Das Substantiv wird von pestis („Seuche, Unglück, Untergang“) entlehnt. Im 16. Jahrhundert löst das Wort die bisherige Bezeichnung „Pestilenz“ im deutschen Sprachraum ab. (Mackowiak 2023, 113)
  • Pfirsich: Die Bezeichnung für diese leckere Frucht stammt aus dem Lateinischen. Die Römer kennen den Pfirsich von den Persern und nennen ihn daher persicum malum („persischer Apfel“). Die verkürzte vulgärlateinische Bezeichnung persica setzt sich dann durch und wird bereits vor der hochdeutschen Lautverschiebung (ungefähr im 12. Jahrhundert) ins Deutsche entlehnt (phersih) und entwickelt sich schließlich zum uns heute bekannten Pfirsich. (Mackowiak 2023, 120)
  • Pforte: Insbesondere in der Architektur und im Bauwesen lassen sich viele Worte aufs Lateinische zurückführen, so auch Pforte. Über das lateinische porta („Tor“) kommt es über das Germanische ins Althochdeutsche (pforta). Im 12. Jahrhundert wird dann auch aus dem lateinischen portenarius („Türhüter“) das Wort Pförtner entlehnt. Ab dem 18. Jahrhundert wird dieses Wort dann kurzzeitig vom französischen Portier verdrängt, aber setzt sich nach und nach wieder durch. (Mackowiak 2023, 122)
  • Pleitegeier: Der Pleitegeier, der über einer Person oder einem Unternehmen kreist, ist wahrscheinlich jedem geläufig. Aber hat er auch etwas mit den bekannten Aasfressern zu tun? Tatsächlich nicht. Das Wort kommt aus dem Jiddischen, genauer gesagt von pleitegeher, der vom Berliner Volksmund im 19. Jahrhundert humoristisch umgedeutet wird und das Siegel der Gerichtsvollzieher („Kuckuck“) bezeichnet. (Schomburg/Schautz 2020, 94)
  • Preis: Der Begriff wird vom französischen prix in den deutschen Sprachraum übernommen. Zunächst in der Bedeutung des Lobes – heute noch bei Preisverleihungen zu finden –, dann ab dem 15. Jahrhundert als Bezeichnung eines Warenwertes. (Seidel 2019, 123)
  • Propaganda: Der Wortstamm stammt vom lateinischen Verb propagare, was so viel wie „ausbreiten“ oder „erweitern“ bedeutet. Das Substantiv propaganda wird das erste Mal 1622 verwendet, als Papst Gregor XV. seiner Behörde den Namen sacra congregratio de propaganda fide („Heilige Kongregation zur Verbreitung des Glaubens“) gibt. Während der Französischen Revolution gibt es dann eine Geheimorganisation der Jakobiner, die sich club de la propaganda nennt, in dem es um revolutionäre Ideen geht. So kommt das Wort auch nach Deutschland und wird besonders während der Märzrevolution 1848 oft benutzt. Danach wird die Bedeutung etwas diffuser, sie kann für die Verbreitung von politischen Ideen genau so stehen wie für kommerzielle Werbung. Erst im Ersten Weltkrieg verschärft sich die Bedeutung zur Kriegspropaganda. 1933 wird das Wort durch die Nationalsozialisten wieder aufgegriffen. Sie sorgen dafür, dass wir das Wort heute negativ konnotieren. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 94)
  • Pulver: Dieses Wort hat sich seit seinem ersten Beleg im 9. Jahrhundert kaum verändert. Mit dem mittelhochdeutschen Wort pulver wird Sand, Staub oder Asche bezeichnet, was auf das mitellateinische Wort mit der gleichen Bedeutung und Schreibweise zurückgeht. Seinen Ursprung hat es im lateinischen Wort pulvis („Staub“). (Mackowiak 2023, 129)
  • Rendezvous: Dass dieser Begriff für ein romantisches Stelldichein aus Frankreich kommt, liegt auf der Hand. Allerdings hat er in seinem Ursprung nichts mit Romantik zu tun. Im militärischen Bereichen ist rendez-vous („Findet euch ein“) ein Befehl zum Sammeln der Truppen. So findet der Begriff auch seinen Eingang in die deutsche Sprache. Mit der Aussprache oder Schreibweise nimmt man es allerdings nicht so genau, häufig wird von Rendafuss oder Randevois geschrieben oder gesprochen. Erst ab dem 17. Jahrhundert werden mit dem Rendezvous dann romantische Treffen bezeichnet. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 109)
  • Sadismus: Sadisten empfinden (sexuelle) Lust, wenn sie jemand anderem Schmerzen zufügen. Der Begriff geht auf Donatien Alphonse François de Sade zurück, der im
    18. Jahrhundert – während er für sexuelle Vergehen in einer Irrenanstalt inhaftiert
    ist – mehrere erotische Werke verfasst, in denen Lust und Grausamkeiten Hand in Hand gehen. Ende des 19. Jahrhunderts führt dann der Psychiater Richard Krafft-Ebing den Begriff aus dem Französischen in den deutschen Sprachraum ein. (Seidel
    2019, 22 f.)
  • Safari: Der Ursprung des Wortes liegt im Arabischen. Safar bedeutet so viel wie „Reise“. Auf Swahili wird der Begriff safari übernommen, immer noch mit der ursprünglichen Bedeutung eines Ausflugs. Die deutschen und englischen Kolonialherren übernehmen das Wort für Reisen durch die ostafrikanische Steppe, bei der es manchmal um Forschung, meistens allerdings um die Großwildjagd geht. Diese ist unter gut betuchten Reisenden Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt und so wird der Begriff dafür übernommen. Heutzutage verstehen wir unter einer Safari zum Glück eine meist gewaltfreie Reise durch die afrikanische Landschaft. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 112)
  • Schach: Das beliebte Spiel kommt bereits im 11. Jahrhundert aus Persien nach Europa, wo es vor allem Ritter mit Begeisterung spielen. Auf Persisch heißt es šāh, was „Herrscher“ oder „König“ bedeutet. Spannenderweise wird der exotische Name in Europa beibehalten und in die jeweilige Sprache eingemeindet. Auf Mittelhochdeutsch wird es unter dem Namen schāch bekannt und existiert nicht nur als Spiel, sondern auch dessen Name bis heute. (Mahrenholtz/Parisi 2019, 114)
  • Scharlatan: Die Bezeichnung für jemanden, der fragwürdige Heilungsmethoden und Medizin verkauft, geht auf eine Stadt in Spanien zurück. Die Bewohner von Cerreto di Spoleto, die cerratani, gelten bereits im Mittelalter als schlitzohrige Händler, die mit angeblichen Heilmitteln Geld einnehmen. Durch die Verbindung des Wortes cerretano mit dem Verb ciarlare („schwatzen“) entsteht das Wort ciarlatono, welches als charlatan ins Französische übernommen wird. Im deutschen Sprachraum ist das Wort Scharlatan seit dem 18. Jahrhundert nachgewiesen. (Schomburg/Schautz 2020, 107)
  • Schema F: Jemandem, der nach Schema F arbeitet, sagen wir nach, dass er genau nach Vorschrift und ohne selbständiges Denken vorgeht. Dieser Ausdruck geht zurück auf das preußische Militär. Dort müssen ab Mitte des 19. Jahrhunderts sogenannte „Frontrapporte“ – die Vordrucke sind mit einem F markiert – ausgefüllt werden, die aus schematisierten Formularen bestehen. Darin wird für jeden Truppenteil genau aufgeschlüsselt, wie viele Soldaten, Offiziere usw. im Kriegsfall zur Verfügung stünden, aber auch, wer im Kriegsfall nicht einsatzfähig wäre und aus welchen Gründen. Für alle Kategorien gibt es unterschiedliche Rubriken, die sorgfältig und nach „Schema F“ ausgefüllt werden müssen. (Schomburg/Schautz 2020, 110)
  • Schlafittchen: Der Ausdruck jemanden am Schlafittchen packen ist vermutlich jedem geläufig. Im niederdeutschen Sprachgebiet nennt man die Schwungfeder des Gänseflügels Schlagfittich. Beim Gänsefang muss man sich sehr vor den Flügelschlägen der Tiere hüten und versucht daher, die Tiere beim Schlagfittich zu packen, damit sie sich nicht mehr wehren können. Der Ausdruck wird dann im
    18. Jahrhundert darauf übertragen, jemanden am Hemd- oder Jackenkragen zu packen, um so ein Weglaufen zu verhindern. (Schomburg/Schautz 2020, 115)
  • Schlamassel: Wer sich in einer schwierigen Situation befindet, steckt in einem Schlamassel. Der Ausdruck stammt aus der Gaunersprache, die man früher „Rotwelsch“ nannte. Er findet im 18. Jahrhundert Eingang in die deutsche Umgangssprache. Seinen Ursprung hat er im Jiddischen. Das Wort massel bedeutet so viel wie „Schicksal“ und wird in Verbindung mit dem deutschen Wort schlimm zu schlimassel, bis es sich zum heute geläufigen Schlamassel wandelt. (Schomburg/Schautz 2020, 118)
  • Schwerenöter: Der Schwerenöter geht unbeschwert durchs Leben und bricht auf dem Weg jede Menge Herzen. Aber was hat das mit schwerer Not zu tun? Das frühneuhochdeutsche Wort Schwerenot bezeichnet Epilepsie, als man noch weniger als heute weiß, was das überhaupt ist und es sich mit einer Verhexung erklärt. Im
    18. Jahrhundert wird daraus die Bezeichnung Schwerenöter für einen „verfluchten Kerl“, die dann im 19. Jahrhundert die Bedeutung erhält, die wir noch heute kennen. (Schomburg/Schautz 2020, 122)
  • sicher: Dieses Wort ist bereits seit dem 9. Jahrhundert belegt. Zunächst wird es althochdeutsch als sichur hauptsächlich in der Rechtssprache im Sinne von „schuld- oder straffrei“ verwendet. Entlehnt wird es vom lateinischen securus (se = sine = „ohne“ und cura = „Sorge“). (Mackowiak 2023, 143)
  • Skandal: Mit dem altgriechischen Wort skándalon wird das Holzstück in einer Tierfalle bezeichnet, mit dem der Auslösemechanismus angestoßen wird. Dieses buchstäbliche Anstoßen wird in der Sprache der Kirche zum Anstößigen im übertragenen Sinne. Der Ausdruck wird jahrhundertelang im metaphorischen Sinne benutzt und bezeichnet die Lockungen und Versuchungen des Bösen. Seit dem
    16. Jahrhundert verwendet man es im deutschen Sprachraum. (Seidel 2019, 16)
  • Skrupel: Wer keine Skrupel hat, handelt gewissenlos. Das Wort stammt vom lateinischen scrupuli ab, womit spitze Steinchen bezeichnet werden. Wer also ohne Skrupel handelt, kennt das unangenehme Gefühl der Gewissensbisse nicht, die ihn sonst martern würden: wie kleine Steinchen im Schuh beim Gehen eben. Das Wort findet im 16. Jahrhundert seinen Weg ins Deutsche. Das Adjektiv „skrupulös“ bedeutet übrigens „äußerst sorgfältig“ oder „vorsichtig“. Da achtet also jemand im übertragenen Sinn auf jedes noch so kleine Steinchen auf seinem Weg. (Seidel 2019, 16)
  • Slogan: Der Ursprung dieser Bezeichnung für einen Werbespruch liegt im Keltisch-Schottischen. Das Wort sluaghghairm setzt sich zusammen aus sluagh für „Heer“ und ghairm für „Geschrei“. Ursprünglich bedeutet es so viel wie „Schlachtgeschrei“ und setzt sich im 20. Jahrhundert im Deutschen als Synonym für „Werbespruch“ durch. (Seidel 2019, 123)
  • Snob: Jemanden, der sich für etwas Besseres hält, betiteln wir als Snob. Wahrscheinlich ist dieser Begriff eine Abkürzung des lateinischen Ausdrucks sine nobilitate. Dieser Vermerk wird in England im 18. Jahrhundert hinter denjenigen Studenten in Cambridge und Oxfort notiert, die nicht-adeliger Abstammung sind. Überliefert ist allerdings nicht, wer schlussendlich auf wen herabsieht. (Seidel 2019, 26)
  • Standpauke: Dieses Wort geht auf das studentensprachliche Wort „Standrede“ zurück, mit dem im 18. Jahrhundert eine im Stehen angehörte Grabrede bezeichnet wird. Im 19. Jahrhundert wird der Ausdruck humoristisch zu einer kräftigen Strafpredigt umgedeutet und sprachlich zu Standpauke verschärft. Pauken bedeutet damals noch „schlagen“, ist aber unter Studenten auch als Ausdruck für „reden“ geläufig. (Schomburg/Schautz 2020, 127)
  • Steuer: Das Wort stammt vom althochdeutschen Begriff stiura für „Stütze“ oder „Stützbalken“. Bereits um das Jahr 900 wird die Bezeichnung für staatliche Abgaben verwendet, mit denen die staatlichen Ausgaben monetär vom Volk unterstützt werden. (Seidel 2019, 123)
  • Tohuwabohu: Das Wort verweist schon lautmalerisch auf ein komplettes Durcheinander. Tatsächlich ist der Ausdruck biblischer Herkunft. Im hebräischen Urtext beginnt die Genesis mit der Erschaffung von Himmel und Erde, auf der zu Beginn tohû wa vohû vorherrscht – also nichts. Daraus entsteht schlussendlich das Wort „Tohuwabohu“ für chaotische Zustände. (Schomburg/Schautz 2020, 130)
  • Tollpatsch: Ein ungeschickter Mensch ist ein Tollpatsch – klar. Aber wieso eigentlich? Ist er besonders toll? Seit Ende des 17. Jahrhunderts ist der Begriff „Tolbatz“ geläufig. Er bezeichnet die ungarischen Infanteristen, die als besonders ungeschickt gelten. Talp ist das ungarische Wort für „Fuß“, talpas ist die Bezeichnung für „breitfüßig“. Die davon abgeleitete scherzhafte Substantivierung bedeutet einerseits „Fußsoldat“, andererseits auch „Bär“. Bären gelten zu jener Zeit ebenfalls als ungeschickt. (Schomburg/Schautz 2020, 135)
  • verballhornen: Dieses Verb ist seit Beginn des 19. Jahrhunderts nachgewiesen und geht tatsächlich auf eine real existierende Person zurück. Johann Balhorn der Jüngere ist ein Buchdrucker Ende des 16. Jahrhunderts in Lübeck.
    Bekannt wird er vor allem dafür, dass er eine fehlerhaft korrigierte Ausgabe des Lübecker Rechts herausgibt. (Schomburg/Schautz 2020, 138)
  • Ziegel: In der Baukunst stammen viele Wörter von den Römern, so auch dieses. Der althochdeutsche Begriff ziegal (9. Jahrhundert) geht auf das lateinische Substantiv tegula („Dachziegel“) zurück, welches seinen Ursprung im Verb tegere („decken, bedecken“) hat. (Mackowiak 2023, 165)

Quellen

  • Duden (Hrsg.) (2022): Die außergewöhnliche Geschichte unserer Wörter. Duden Verlag, Berlin.
  • Mackowiak, Klaus (2023): Kann Spuren von Latein enthalten. C. H. Beck, München.
  • Mahrenholtz, Katharina/Parisi, Dawn (2019): Horizont und Hängematte. Duden Verlag, Berlin.
  • Schomburg, Andrea/Schautz, Irmela (2020): Der geheime Ursprung der Wörter. DuMont, Köln.
  • Seidel, Wolfgang (2019): Das geheime Leben der Wörter. riva, München.

Michelle Szellas

01.04.2026, zuletzt aktualisiert am 15.04.2026

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