Was sind reflexive Verben?
Ein reflexives Verb drückt die Tätigkeit eines Subjektes aus, die es auf ihn selbst bezieht. Damit ist die Reflexivität ein Sonderfall der Handlungsrichtung eines Verbs.
Bei solchen Verben haben das grammatische Subjekt und das grammatische Objekt denselben Bezug. Sie treten mit einem Reflexivpronomen auf (sich), an dem man sie erkennen kann.
Beispiele:
- Ich wasche mich.
- Er setzt sich.
- Sie kämmt sich.
- Wir ziehen uns an.
Wenn es im Satz ein weiteres Objekt gibt, wird das Reflexivpronomen im Dativ verwendet. Beispiel:
- Ich putze mir die Zähne.
In Hauptsätzen steht das Reflexivpronomen hinter dem finiten Verb:
- Ich beeile mich.
Wenn das eigentliche Objekt allerdings ebenfalls ein Pronomen ist, rutscht es vor das Reflexivpronomen:
- Er hat schöne Haare. Er kämmt sie sich nur zu selten.
In Nebensätzen steht das Reflexivpronomen hinter dem Subjekt und dem konjugierten Verb am Satzende:
- Sie wartete, bis er sich anzog.
Weitere Beispiele für reflexive Verben:
- sich trauen
- sich beherrschen
- sich ereignen
- sich verletzen
- sich treffen
Verstärkt treten reflexive Verben bei folgenden Situationstypen auf:
- Körperpflege: sich bürsten, sich baden, sich rasieren, sich anziehen …
- Änderung der Körperhaltung: sich aufrichten, sich hinknien, sich strecken …
- gerichtete Körperbewegung ohne Ortsveränderung: sich beugen, sich umdrehen, sich anlehnen …
- Körperfunktionen: sich räuspern, sich übergeben …
- emotive Sprachhandlung: sich beklagen, sich brüsten, sich beschweren …
- Emotion, Kognition: sich ängstigen, sich fürchten, sich erinnern, sich interessieren …
Was sind reziproke Verben?
Reziproke Verben drücken Handlungen aus, die zwei oder mehr Subjekte gegenseitig aneinander ausführen. Meistens stehen sie im Plural. Das Adjektiv reziprok bedeutet: wechselseitig, gegenseitig oder umgekehrt.
Reziproke Verben benötigen Reflexivpronomen wie uns, euch, sich oder das Reziprokpronomen einander. Die Handlung verläuft von A nach B und gleichzeitig von B nach A, läuft also in beide Richtungen.
Außerdem können reziproke Verben normalerweise kein Passiv bilden.
Beispiel: Sie lieben sich/einander.
Es gibt echte reziproke Verben, die ausschließlich reziprok verwendet werden können (siehe Beispiel oben), und reziprok gebrauchte Verben, die sowohl reziprok als auch nicht reziprok verwendet werden können.
Beispiele:
- Reziprok: Die beiden ähneln sich/einander.
- Nicht reziprok: Sie ähnelt der Schauspielerin.
Zudem gibt es teilreziproke Verben, die je nach Bedeutung reziprok gebraucht werden oder nicht.
Beispiele:
- Reziprok gebraucht: Wir müssen uns unbedingt aussprechen (= etwas miteinander klären).
- Nicht reziprok gebraucht: Das musst du so aussprechen (= verbalisieren)!
Beispiele für echte reziproke Verben:
- sich anfreunden
- sich verkrachen
- sich streiten
- sich lieben
- sich kennenlernen
- sich überwerfen
- sich verbrüdern
- sich verbünden
Beispiele für reziprok gebrauchte Verben:
- sich treffen
- sich ähneln
- sich hassen
- sich belügen
- sich gleichen
- sich begrüßen
- sich einigen
Quellen
- deutschplus (Hrsg.) (ohne Jahr): Reziproke Verben. URL: https://www.deutschplus.net/pages/Reziproke_Verben (letzter Zugriff: 28.04.2026)
- Dudenredaktion (Hrsg.) (2016): Die Grammatik. Duden Verlag, Berlin.
Michelle Szellas
29.04.2026
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