Was versteht man unter starken und schwachen Verben im Deutschen?
Verben lassen sich in Konjugationsklassen einteilen, wobei die zentrale Unterscheidung die nach starken und schwachen Verben ist. Diese Klassifizierung wurde bereits 1840 von Jacob Grimm in seinem Werk „Deutsche Grammatik“ eingeführt.
Bei schwachen Verben wird die Präteritumform mit einem silbeneinleitenden t-Suffix („Dentalsuffix“) gebildet. Schwache Verben zeigen im Normalfall keine Alternation (Änderung) des Stammvokals. Außerdem wird das Partizip II mit dem Suffix -(e)t gebildet.
Bei starken Verben wird das Präteritum nicht durch ein eigenes Suffix markiert, sondern durch eine Vokalalternation im Ablaut. Beim Partizip II wird das Suffix -en verwendet.
Dem Infinitiv ist normalerweise nicht zu entnehmen, ob das Verb stark oder schwach konjugiert wird oder es andere Unregelmäßigkeiten in der Konjugation gibt.
Beispiele schwache Verben
| Infinitiv | Präsens (1. Sg.) | Präteritum (1. Sg.) | Perfekt (1. Sg.) |
|---|---|---|---|
| sagen | sage | sagte | gesagt |
| machen | mache | machte | gemacht |
| suchen | suche | suche | gesucht |
| lernen | lerne | lernte | gelernt |
| leben | lebe | lebte | gelebt |
| fragen | frage | fragte | gefragt |
Beispiele starke Verben
| Infinitiv | Präsens (1. Sg.) | Präteritum (1. Sg.) | Perfekt (1. Sg.) |
|---|---|---|---|
| sprechen | spreche | sprach | gesprochen |
| rufen | rufe | rief | gerufen |
| gebe | gebe | gab | gegeben |
| braten | brate | briet | gebraten |
| finden | finde | fand | gefunden |
| kommen | komme | kam | gekommen |
Verben, die sowohl stark als auch schwach konjugiert werden können (ohne Bedeutungsänderung)
| Infinitiv | Präsens (1. Sg.) | Präteritum (1. Sg.) | Perfekt (1. Sg.) |
|---|---|---|---|
| dingen | dinge | dang/dingte | gedungen/gedingt |
| gären | gare | gor/gärte | gegoren/gegärt |
| gleiten | gleite | glitt/gleitete | geglitten/gegleitet |
| glimmen | glimme | glomm/glimmte | geglommen/geglimmt |
| klimmen | klimme | klomm/klimmte | geklommen/geklimmt |
| melken | melke | molk/melkte | gemolken/gemelkt |
| saugen | sauge | sog/saugte | gesogen/gesaugt |
| schnauben | schnaube | schnob/schnaubte | geschnoben/geschnaubt |
| sieden | siede | sott/siedete | gesotten/gesiedet |
| triefen | triefe | troff/triefte | getroffen/getrieft |
| backen | backe | buk/backte | gebacken |
| salzen | salze | salzte | gesalzen/gesalzt |
| schallen | schalle | scholl/schallte | geschallt |
| spalten | spalte | spaltete | gespalten/gespaltet |
Verben, die sowohl stark als auch schwach konjugiert werden können (mit Bedeutungsänderung)
| Infinitiv | Präsens (1. Sg.) |
Präteritum (1. Sg.) |
Perfekt (1. Sg.) |
|---|---|---|---|
| bewegen (= jemanden veranlassen) | bewege | bewog | bewogen |
| bewegen (= den Ort wechseln) | bewege | bewegte | bewegt |
| bleichen (= bleich werden) | bleiche | blich/ bleichte |
geblichen/ gebleicht |
| bleichen (= bleich machen) | bleiche | bleichte | gebleicht |
| hängen (= befestigt sein) | hänge | hing | gehangen |
| hängen (= befestigen) | hänge | hängte | gehängt |
| hauen (= mit einer Waffe schlagen) | haue | hieb | gehauen |
| hauen (= allg. schlagen) | haue | haute/ hieb |
gehauen |
| schaffen (= schöpferisch tätig sein) | schaffe | schuf | geschaffen |
| schaffen (= arbeiten, erledigen) | schaffe | schaffte | geschafft |
| scheren (= schneiden) | schere | schor | geschoren |
| scheren (= sich kümmern) | schere | scherte | geschert |
| schleifen (= schärfen, hart drillen) | schleife | schliff | geschliffen |
| schleifen (= über den Boden ziehen, niederreißen) | schleife | schleifte | geschleift |
| schleißen (= sich allmählich auflösen) | schleiße | schliss | geschlissen |
| schleißen (= Holz in feine Späne spalten) | schleiße | schliss/ schleißte |
geschlissen/ geschleißt |
| weben (in übertragener Bedeutung) | webe | wob | gewoben |
| weben (in wörtlicher Bedeutung) | webe | webte | gewebt |
| wiegen (= das Gewicht feststellen) | wiege | wog | gewogen |
| wiegen (= hin- und herbewegen; kleinschneiden) | wiege | wiegte | gewiegt |
Quellen
-
Dudenredaktion (Hrsg.) (2016): Die Grammatik. Duden Verlag, Berlin.
- Mackowiak, Klaus (2022): Die 101 häufigsten Fehler im Deutschen. C. H. Beck, München. S. 121–124.
Michelle Szellas
29.04.2026
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