Die Liste versammelt sprachliche Raritäten im Deutschen aller Art: einzelne Wörter und Ausdrücke.

Vertreten sind ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit und ohne thematischen Schwerpunkt veraltete, veralternde, seltene und einfach besonders schöne und außergewöhnliche Formulierungen.

Der Lektorenausbilder Evgenij Unker in einem Antiquitätenladen. Er präsentiert sprachliche Raritäten und Kuriositäten. KI-generiert.

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Ausdruck Bedeutung Beispiel Kommentar
Abhub, der Rest, (Speisen-)Abfall „Fräulein Saget schlicht sich zu einem Laden, wo die Händlerin mit der Behauptung prahlte nur aus den Überbleibseln der Tuilerien stammenden Abhub zu verkaufen.“
(Zola 1962, 379 f., übersetzt von Felix Loesch und Hans Balzer)

veraltet;

Eintrag bei DWDS

Bering, der (Betonung auf der zweiten Silbe) Umkreis im Bering veraltet
blaken qualmen (norddeutsch) „Die kohlehaltige Lampe blakte, während der Buchfink mit dem Kopf unter dem Flügel, auf einem Bein stehend, wieder einschlief.“
(Zola 1962, 216, übersetzt von Felix Loesch und Hans Balzer)
Erklärung von Duden
Eilung, die Windböe(n) vor dem Gewitter „Die Blitze hingen nun schon als goldene Peitschenschnüre über dem Wald, und die Eilung traf Bildermann noch kurz vor der Landung.“
(Wiechert 1939, 164)
veraltet; weitere Beispiele bei Wiktionary
erpegeln ermitteln, ermessen, ersehen „An eurem Lachen ist wie bei keinem andern eurer Geräusche zu erpegeln, wie aus der Art geschlagen ihr seid.“
(Handke, Peter: Untertagblues, 2003; 6. Szene)
Bedeutung aus dem Kontext erschlossen.
Fickfackerei Betrügerei; Unsinn „Endlich ist man dabei, mit dieser Fickfackerei gründlich aufzuräumen. Ich habe es Ihnen gesagt, Sie erinnern sich: ‚Es gibt eine Fickfackerei bei den Quenus, die nicht gut riecht.‘“
(Zola 1962, 454, übersetzt von Felix Loesch und Hans Balzer)
landschaftlich; Duden-Eintrag
gang und
gäbe
(als attributives und flektiertes Adjektiv gebraucht)
verbreitet 1. „Es kann sich frei an das
Alltägliche knüpfen, es kann zu
gang und gäben Worten der Umgangssprache [...] greifen [...].“
(Klemperer 1947, 272; Kap. XXXIII)

2. „Einige Verdeutschungen gang und gäber Fremdwörter sind beliebt: [...]“
(Klemperer 1947, 282; Kap. XXXV)
Als standard-sprachlich gilt der prädikative, unflektierte Gebrauch im feststehenden Ausdruck:
gang und
gäbe sein.
hermachen etwa (zu) wichtig nehmen und darüber (zu) viel reden

„Sie machte gewöhnlich viel her mit ihrer Geduld.“
(Zola 1962, 232, übersetzt von Felix Loesch und Hans Balzer)

Eintrag bei Duden
herumsielen, auch: sielen sich genüsslich (herum)wälzen; suhlen

„Man nimmt keinen Fisch zurück, der sich bereits bei den Leuten rumgesielt hat!“
(Zola 1962, 197, übersetzt von Felix Loesch und Hans Balzer)

Eintrag bei Duden; Eintrag beim DWDS
indes indessen, während „Indes er fast geräuschlos dahinglitt, von einem sanften seitlichen Winde je nach der Biegung der Straße gehindert oder getrieben, versuchte er zu ergründen, weshalb sein Atem leicht zu gehen schien in dieser Landschaft, obwohl sie doch im ersten Anschauen streng, weit und nicht ohne Düsterkeit sich ihm darbot.“
(Wiechert 1939, 29)
kniffen scharf falten, falzen „Je nach der Jahreszeit zählte sie sechs bis acht Stielchen ab, kniffte einen Schilfhalm zur Hälfte, fügte ein Blatt hinzu und wickelte einen angefeuchteten Faden herum, und zwischen ihren Zähnen eines jungen Wolfes riß sie den Faden ab.“
(Zola 1962, 273, übersetzt von Felix Loesch und Hans Balzer)
veraltend
(nicht)
sauber überm Nieren-
stück sein
(kein) reines Gewissen haben, (k)eine reine Weste haben „Die Kellnerin fuhr mit rotem Kopf in die
Höhe, Armin blickte böse zu dem
einsamen Gast hinüber, Studer gab den
Blick zurück, der Bursche hielt
ihn nicht lange aus, Studer nickte unmerklich. Innerlich formulierte er
seine Beobachtung: »Nicht ganz sauber überm Nierenstück.«“
(Glauser 1935)
schweizerisch
sich spreizen sich aufspielen, wichtigtun „Sie gingen beide zurück, er in der Soutane und barhäuptig, sie sich in ihrem bunten Wollschal spreizend, und sie spazierten längs der Seitenkapellen an der Rue du Jour auf und ab.“
(Zola 1962, 340, übersetzt von Felix Loesch und Hans Balzer)

Eintrag bei Duden;

Eintrag bei DWDS

puckeln, sich abpuckeln (sich) anstrengen, sich abmühen „[...] und du puckelst dich mit deinen Sünden ab.“
(Rühmkorf 1986)
Schnarcher, der Prahler,
Aufschneider
„Da mich mein Vater heimbrachte,
befand er, daß ich in Grund verderbt
wäre; ich war kein ehrbarer
Domine worden, als er wohl gehofft
hatte, sondern ein Disputierer
und Schnarcher, der sich
einbildete, er verstehe trefflich viel!“
(von Grimmelshausen 1669)
veraltet
schwelgen etw. übermäßig anwenden (DWDS) „Sein Schweigen schwelgte förmlich, wenn die Vorschläge ganz und gar revolutionär wurden.“
(Zola 1962, 238, übersetzt von Felix Loesch und Hans Balzer; im französischen Original steht: „Son silence jouissait, quand les propositions devenaient tout à fait révolutionnaires.“)
Das französische Verb jouir kann neben „genießen“ auch „einen (sexuellen) Höhepunkt erreichen“ bedeuten.
unvorgreiflich (Präposition mit Genitiv) ohne einer Sache vorgreifen zu wollen „Unvorgreiflich einer solchen
Festlegung bleibt zu konstatieren, dass […].“
(Hildermeier 2022, 871)
Neologismus
des Autors?
Duden online
kennt nur ein gleichlautendes veraltetes Adjektiv
mit der Bedeutung „ohne einem
anderen
vorgreifen zu wollen“.
Analog dazu verzeichnet
Duden
online das
Adjektiv
vorgreiflich in der Bedeutung „vorgreifend“ (Zugriff jeweils am 18.10.2025).
Wuhne, die; auch: Wune ins Eis geschlagene Loch „Thomas und Bildermann waren viele Tage auf Schlittschuhen unterwegs gewesen, um Wuhnen in das Eis zu schlagen und mit jungen Fichten die Wege zum Schloß und der Försterei auszustecken.“
(Wiechert 1939, 196)

Primärquellen

Bei zwei Jahreszahlen bezieht sich die erste auf die Erstveröffentlichung, die zweite auf die konkrete hier zitierte spätere Ausgabe.

  • Glauser, Friedrich Charles (1935): Wachtmeister Studer. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/glauser/studer/chap06.html (Zugriff am 18.10.2025)
  • von Grimmelshausen, Hans Jakob Christoph (1669): Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/grimmels/simpl/simpl420.html (Zugriff am 18.10.2025)
  • Hildermeier, Manfred (2022): Geschichte der Sowjetunion 1917–1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. 3. Aufl. C.H.Beck, München
  • Klemperer, Victor (1947/2010): LTI. Notizbuch eines Philologen. 24. Aufl. Reclam, Ditzingen
  • Rühmkorf, Peter (1986): Schon ab vierzig; in: Außer der Liebe nichts. Liebesgedichte. Rowohlt, Reinbek
  • Wiechert, Ernst (1939/1957): Das einfache Leben. Bertelsmann Lesering, Berlin
  • Zola, Emile (1962/kein Jahr): Der Bauch von Paris. Illustriert von Fritz Busse. Ins Deutsche übertragen von Felix Loesch und Hans Balzer nach der von Maurice Le Blond besorgten Gesamtausgabe. Mit einem Nachwort von Rita Schober und Anmerkungen. In: Zola, Emile (kein Jahr): Die Rougon-Macquart. Natur- und Sozialgeschichte einer Familie unter dem Zweiten Kaiserreich. Bd. 3. Herausgegeben von Rita Schober. Lizenzausgabe mit Genehmigung des Winkler Verlages, München, für Bertelsmann Reinhard Mohn OHG, Gütersloh, die Europäische Bildungsgemeinschaft Verlags-GmbH, Stuttgart, und die Buchgemeinschaft Donauland Kremayr & Scheriau, Wien. Diese Lizenz gilt auch für die Deutsche Buch-Gemeinschaft C. A. Koch’s Verlag Nachf., Berlin–Darmstadt–Wien. Gütersloh (Buch-Nr. 2351) [1962 ist das Jahr der Erstveröffentlichung dieser deutschen Übersetzung, der zitierte Band enthält keine Jahresangabe]

Evgenij Unker
18.10.2025, aktualisiert am 19.05.2026

(Das Bild vom Lektorenausbilder Evgenij Unker als Antiquitätenhändler haben wir mit KI generiert.)

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