Was ist das Passiv?

Beim Passiv handelt es sich um eine grammatische Form des Verbs.

Im Deutschen unterscheiden wir zwei Handlungsrichtungen des Verbs (auch Diathesen genannt): Aktiv und Passiv.

Beim Aktiv geben wir das Subjekt der Handlung (den Handelnden) explizit an. Beispiel:

  • Die Kfz-Mechanikerin reparierte das Auto.

Im Passiv liegt der Fokus auf der Handlung selbst. Der Handelnde wird entweder gar nicht oder erst nachrangig genannt. Beispiele:

  • Vorgangspassiv, das einen Prozess beschreibt: Das Auto wird repariert.
  • Zustandspassiv, das einen Zustand beschreibt: Das Auto ist repariert.

In beiden Fällen muss nicht erwähnt werden, wer das Auto repariert (hat).

Gebildet wird das Passiv (auch die „Leideform“ genannt) mit der passenden konjugierten Form des Hilfsverbs werden bzw. sein und dem Partizip II des Vollverbs.

Warum Passivformen ersetzen?

Es gibt mehrere Gründe, aus denen du Passivkonstruktionen – zumindest ab und zu – ersetzen solltest:

  • Abwechslung: Damit bringst du mehr Vielfalt in deinen Text. Er liest sich natürlicher, flüssiger und überzeugender.
  • Verständlichkeit: Passiv-Sätze neigen dazu, überladen und schwer verständlich zu sein. Mit Alternativen hilfst du dem Leser, dich schneller zu verstehen.
  • Stil: Viele Schreibratgeber raten zu Recht von zu vielen Passiv-Konstruktionen aus ästhetischen Gründen ab. Mit den Ersatzformen bringst du deinen Text stilistisch auf ein höheres Niveau.
  • Register-Wechsel: Manchmal willst du bewusst umgangssprachlich oder formell, alltagssprachlich oder wissenschaftlich, kumpelhaft oder unnahbar wirken. Mit dem Wechsel der grammatischen Form kannst du das Register wechseln und damit dieses Ziel erreichen.

Im Folgenden zeigen wir grammatische Alternativen für das Passiv.

Wie kannst du das Passiv ersetzen?

  1. sein + zu + Verb im Infinitiv

    Diese Form kann Passivsätze mit den Modalverben können oder müssen ersetzen. Meistens verwenden wir diese Ersatzform nur in der Amtssprache. Sie wirkt schnell überformell und manchmal etwas unhöflich.

    Passiv: Das Auto muss bis Montag repariert sein.

    Passiversatz: Das Auto ist bis Montag zu reparieren.

  2. sich lassen + Infinitiv

    Diese Form kann Passivsätze mit dem Modalverb können ersetzen.

    Passiv: Das Auto kann bis Montag repariert werden.

    Passiversatz: Das Auto lässt sich bis Montag reparieren.

  3. sein + Adjektiv auf -bar und -lich

    Diese Form kann Passivsätze mit dem Modalverb können ersetzen.

    Passiv: Das Auto kann man reparieren.

    Passiversatz: Das Auto ist reparierbar.

  4. es gilt / es heißt

    Diese Form kann Passivsätze mit dem Modalverb müssen ersetzen.

    Passiv: Das Auto muss repariert werden.

    Passiversatz: Es gilt, das Auto zu reparieren.

  5. Adjektiv auf -abel

    Diese Form kann Passivsätze mit dem Modalverb können ersetzen.

    Passiv: Das Auto kann man reparieren.

    Passiversatz: Das Auto ist reparabel.

  6. Funktionsverbgefüge (Nomen-Verb-Verbindungen) mit passiver Bedeutung

    Hierzu gehören Konstruktionen wie Aufnahme/Zustimmung/Anwendung finden, der Kontrolle unterliegen, auf Ablehnung/Kritik stoßen und andere.

    Passiv: Der Plan wurde heftig kritisiert.

    Passiversatz: Der Plan stieß auf heftige Kritik.

  7. bekommen / kriegen + Partizip II

    Diese Form wird häufig in der Umgangssprache verwendet. Allerdings kann sie nur mit Verben gebildet werden, die eine Dativ- und Akkusativ-Ergänzung besitzen.

    Passiv: Mir wird das Auto repariert.

    Passiversatz: Ich bekomme das Auto repariert.

  8. Unpersönliche Pronomen man / jemand

    Eine weitere Ersatzform und häufig die einfachste Möglichkeit, die handelnde Person nicht zu nennen, ist die Benutzung unpersönlicher Pronomen.

    Passiv: Mein Auto wird repariert.

    Passiversatz: Man repariert mein Auto.

Quellen

Michelle Szellas
23.04.2026

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