Was ist Feminismus?

Das Wort Feminismus im Zusammenhang mit einer politischen Bewegung für die Rechte der Frauen wurde wohl zuerst 1872 von dem französischen Schriftsteller Alexandre Dumas dem Jüngeren in seinem Buch „L’Homme-femme“ (wörtlich: „Mann-Frau“) gebraucht, und zwar kritisch.

Später wurde der Begriff von den Kämpferinnen für geschlechtliche Gleichberechtigung immer mehr positiv aufgeladen. Heute bezeichnet Feminismus eine Reihe durchaus unterschiedlicher politischer, soziologischer, literarischer und philosophischer Strömungen.

Je nach den gewählten Schwerpunkten geht es dabei um folgenden Themen und Fragestellungen:

  • Geschlechtsforschung (Erforschung und Kritik der Geschlechterrollen und -identitäten),
  • die juristische und faktische Gleichberechtigung aller Geschlechter,
  • ökonomische Gleichstellung aller Geschlechter (gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit),
  • Aufdeckung und Bekämpfung des Patriarchats,
  • Behebung der Unterrepräsentanz von Frauen in der Forschung und das Schließen der dadurch entstandenen Forschungslücken,
  • Kampf gegen Sexismus (Diskriminierung nach Geschlecht),
  • Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und geschlechtliche Minderheiten,
  • sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung (etwa Recht auf Schwangerschaftsabbruch).

Ursprünglich bedeutete der Begriff Feminismus in der Biologie die Herausbildung weiblicher Merkmale beim Mann oder einem männlichen Tier. Diese Bedeutung existiert nach wie vor.

Die Liste

Mir der Liste erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vorschläge, Ergänzungen und Widerspruch sind willkommen. Schreibe dazu einfach am Ende dieser Seite einen Kommentar.

  1. George Sand: Jeanne, 1844

    Die französische Autorin, mit bürgerlichem Namen Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil, tritt für Gleichberechtigung der Männer und Frauen und aller Gesellschaftsklassen ein. Der hier beispielhaft genannte Roman erzählt die Geschichte eines weiblichen Jesus, wie sie zu Lebzeiten der Autorin in Frankreich hätte ablaufen können. Die Protagonistin Jeanne ist physisch, moralisch, ja sogar intellektuell trotz ihrer bäuerlicher Herkunft über jeden Zweifel erhaben. Und doch – oder gerade deswegen – scheitert sie in der männlich dominierten Welt und muss mit ihrem Leben bezahlen. Die Reminiszenz an Jeanne d’Arc ist natürlich beabsichtigt. George Sand ist schon zu Lebzeiten sehr erfolgreich und gilt als die erste Autorin, die von ihrem Schreiben leben kann.

  2. Virginia Woolf: A Room of One’s Own, 1929

    Insbesondere der Titel des Essays, ins Deutsche übersetzbar mit „Ein Zimmer für sich allein“, wird bis heute oft zitiert und gilt als ein Schlagwort der weiblichen Emanzipation. Die Hauptbotschaft der Autorin: Eine Frau benötigt vor allem wirtschaftliche Unabhängigkeit und schon rein physisch einen eigenen Raum, um als Schriftstellerin tätig und erfolgreich sein zu können.

  3. Simone de Beauvoir: Le Deuxième Sexe, 1949 – Deutsch: Das andere Geschlecht

    Vielleicht der feministische Klassiker überhaupt mit der zentralen Botschaft: Geschlechterrollen sind nicht angeboren, sondern zu einem großen Teil anerzogen. Das ist das, was wir heute als soziales Geschlecht (englisch Gender) bezeichnen. Und natürlich kritisiert die Autorin die patriarchalen Gesellschaftsverhältnisse ihrer Zeit: Frauen gelten als Menschen zweiter Klasse. Männer sind der Maßstab, die Frauen eben nur das „andere Geschlecht“.

  4. Marilyn French: The Women’s Room, 1977 – Deutsch: Frauen

    Der Roman präsentiert Lebensausschnitte unterschiedlicher Frauen in den 1950–1970er Jahren in den USA und hat alles, was man – je nach Einstellung positiv oder negativ – von einem feministischen Roman erwartet: viel Frust von Frauen und Hass gegen Männer und davon fast 600 Seiten voll. Das schadet den Romanverkäufen aber keinesfalls. Im Gegenteil: Man kann ihn mit vollem Recht als Longseller bezeichnen.

  5. Eva Heller: Beim nächsten Mann wird alles anders, 1987

    Feministische Literatur muss nicht schwer-abstrakt oder voller Hass gegen Männer und die Welt daherkommen. Dieser Roman liest sich leicht und humorvoll. Er zeigt auf unterhaltsame Weise, dass es gerade auch in Beziehungsfragen einige Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Die Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen und tradierten Rollen-Bildern schimmert hier eher zwischen den Zeilen durch oder wird in einzelnen satirischen Episoden deutlich. Etwa wenn die Protagonistin einen Hilfsjob bei einer Werbeagentur annimmt und feststellen muss, dass die Werbebranche durch und durch sexistisch ist.

  6. Judith Butler: Gender Trouble, 1990 – Deutsch: Das Unbehagen der Geschlechter

    Dieses anspruchsvolle Werk begründet die zentrale These der neueren feministischen Literatur: Nicht nur das soziale Geschlecht (englisch Gender), sondern auch das biologische Geschlecht (englisch Sex) ist demnach gesellschaftlich konstruiert. In dieser Absolutheit naturwissenschaftlich und medizinisch nicht haltbar, ist und bleibt diese These bis heute für die Geschlechterforschung (englisch Gender Studies) fruchtbar. In der Tat verschieben sich die noch vor einigen Jahrzehnten als unverrückbar gedachten biologischen Geschlechtergrenzen zusehends.

  7. Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin, 1983

    Sicher das sprachgewaltigste Werk in dieser Liste und das paradoxeste. Es ist wie ein Krieg für Frieden, ein Porno gegen Pornografie, eine Gewalttat gegen Gewalttaten. Nun damit ist es vielleicht doch nicht einmal halb so absurd, wie die Wirklichkeit selbst. Der Roman bietet auf jeden Fall genug Zündstoff für jeden Feministen: eine problematische Mutter-Tochter-Beziehung, eine sadomasochistische Beziehung zwischen Mann und Frau und auch noch eine Vergewaltigung dazu.

Weitere inspirierende Quellen

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Evgenij Unker
03.11.2026

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