Die studierte Buchwissenschaftlerin Michelle Szellas erklärt in diesem Artikel die unterschiedlichen Methoden, Texte zu lesen, und welche Textsorten zu welcher Leseart am besten passen.

Leseforschung

Wusstest du, dass es eine eigene Wissenschaft gibt, die sich mit dem Lesen beschäftigt?

Sie heißt Leseforschung und ist zum Beispiel Bestandteil des Studiums der Buchwissenschaft.

Arten des Lesens

Im Folgenden stellen wir dir die unterschiedlichen Arten des Lesens mit Textartenbeispielen vor.

  • Intensives Lesen: Beim intensiven Lesen wird genau und detailliert gelesen. Zeile für Zeile, Satz für Satz. Ziel ist hierbei die exakte Erfassung des Textes. Gerade bei wissenschaftlichen Texten macht man sich häufig Notizen oder bringt Markierungen an im Hinblick auf Argumentation, Terminologie oder eigene Assoziationen. Auch private Texte wie Briefe, Tagebücher usw. werden in der Regel intensiv gelesen, da der Leser ein persönliches Interesse am Verfasser und somit auch am gesamten Text hat.
  • Selektives Lesen: Beim selektiven Lesen sollen gezielt Informationen zu einem bestimmten Thema herausgefiltert werden. Der Text wird also in der Gesamtheit überflogen und nur die passenden Stellen werden intensiv gelesen. Didaktische Textsorten wie Aufsätze oder Essays werden normalerweise selektiv gelesen. Hilfreich kann es sein, die einzelnen interessanten Abschnitte zu markieren und Notizen zu den wichtigsten Argumentationsschritten anzulegen.
  • Kursorisches Lesen: Beim kursorischen Lesen wird der Text für einen ersten Eindruck überflogen und die Informationen werden eher oberflächlich wahrgenommen. Insbesondere publizistische Texte wie Nachrichten, Berichte oder Kommentare werden kursorisch gelesen. Ziel ist es, sich einen groben Überblick zu verschaffen und im Großen und Ganzen informiert zu sein.

Zuordnung zu unterschiedlichen Textsorten

Man kann Textsorten auch nach der Funktion des Textes unterscheiden.

  • Appellative Texte sollen den Leser dazu auffordern, etwas zu tun oder zu lassen. Dazu zählen beispielsweise Werbetexte oder politische Reden. Diese werden meistens kursorisch gelesen.
  • Informative Texte sollen Kenntnisse oder Wissen an den Leser vermitteln. Klassische Beispiele dafür sind der Wetterbericht oder die Nachrichten. Hier steht meistens das selektive Lesen im Vordergrund.
  • Verpflichtende Texte verpflichten jemanden zu einer Handlung, wie beispielsweise Verträge oder ein Testament. Diese Texte sollten intensiv gelesen werden.
  • Kontakttexte dienen dem persönlichen Kontakt. Dazu zählen Briefe oder auch Postkarten aus dem Urlaub. Je nach Art der persönlichen Beziehung werden diese Texte intensiv, selektiv oder kursorisch gelesen.

Insbesondere das letzte Beispiel macht deutlich, dass es von verschiedenen Faktoren abhängt, wie Texte gelesen werden. Eine genaue Trennung der Arten des Lesens ist nicht immer möglich. In der Realität handelt es sich meistens um Mischformen der Lesestrategien. Diese können unter anderem vom Grad des Interesses, dem Umfang des Textes, der Informationsdichte oder von der Beziehung zwischen Autor und Leser abhängen.

Quellen

Michelle Szellas
10.05.2026

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