Tipps und Tricks zum Schreiben einer Kurzgeschichte

Wer sich noch nicht an den großen Roman heranwagt, entscheidet sich meist dafür, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Damit Sie Ihre Geschichte erfolgreich zu Papier bringen können, verraten wir Ihnen die wichtigsten Tipps und Tricks, wie Sie Ihre Leser begeistern. Zuvor betrachten wir, was eine Kurzgeschichte überhaupt ausmacht.

Klicken Sie auf das Thema, um direkt zum jeweiligen Kapitel zu springen:

Was ist eine Kurzgeschichte?

Eine Kurzgeschichte ist eine Form der Erzählung, bei der in knapper Art und Weise über eine bestimmte Begebenheit berichtet wird. Die Figuren werden meist nur skizziert. Häufig endet die Geschichte mit einer Pointe: einer witzigen oder unerwarteten Wendung.

Der Begriff der Kurzgeschichte tauchte erstmals im 19. Jahrhundert in der englischsprachigen Literatur auf (short story), obgleich es bereits lange zuvor die ersten Kurzgeschichten gab. Bekannte Vertreter der Prosa-Form sind etwa Heinrich von Kleist, Edgar Allan Po, Ernest Hemingway und Raymond Carver.

Wie lang ist die klassische Kurzgeschichte?

Kurzgeschichten erstrecken sich stets über nur wenige Seiten. Die Anzahl dieser Seiten ist nicht festgelegt. So gibt es Kurzgeschichten, die auf nur einer einzigen Seite abgehandelt sind. Andere benötigen fünf Seiten. Und dann gibt es auch die Kurzgeschichten, die eine Länge von dreißig oder vierzig Seiten aufweisen.

Was unterscheidet Kurzgeschichten von Romanen?

In Kurzgeschichten erhaschen wir nur einen kleinen Einblick in das Leben des Protagonisten. Romane beschäftigen sich hingegegen mit langen Zeiträumen, sodass wir manchmal das gesamte Leben einer Person begleiten.

Während wir in Romanen vielseitige Handlungsstränge verfolgen, konzentriert sich die Kurzgeschichte auf nur einen Handlungsstrang. Zudem sind in Romanen große Zeitsprünge über viele Jahre möglich, was in Kurzgeschichten selten vorkommt.

Und: Romane versetzen ihre Leser in die unterschiedlichsten Stimmungen. Sie sind mal witzig, mal romantisch und mal traurig. Kurzgeschichten beschränken sich meist auf eine einheitliche Stimmung.

Kurzgeschichten sind mit weiteren literarischen Gattungen verwandt, lassen sich von diesen aber abgrenzen. So können sie etwa – anders als Märchen – wahre Begebenheiten behandeln. Während Märchen, Legenden und Sagen in kurzer Form von fantastischen Ereignissen erzählen, sind moderne Kurzgeschichten oftmals mitten aus dem Leben gegriffen. Auch wenn sich das darin geschilderte Ereignis so nicht zugetragen hat, so hätte es theoretisch passieren können. Kurzgeschichten sind also im weitesten Sinne realistisch.

Merkmale von Kurzgeschichten zusammengefasst:

  • wenige Seiten lang
  • eine Person steht im Mittelpunkt (höchstens zwei)
  • ein bestimmtes Ereignis/Problem steht im Mittelpunkt
  • keine Nebenhandlungen
  • keine Nebencharaktere
  • ein bestimmter Ort und eine bestimmte Zeit
  • eine bestimmte Stimmung

Mittelpunkt der Kurzgeschichte: die Figuren

Typischerweise steht im Zentrum der Kurzgeschichte eine einzige Person, in manchen Fällen aber auch zwei Hauptcharaktere. Entscheiden Sie sich für einen Protagonisten und schenken Sie diesem die volle Aufmerksamkeit.

Arbeiten Sie die wichtigsten Merkmale Ihrer Hauptfigur heraus. Schildern Sie nur jene Eigenschaften, die für die Handlung der Kurzgeschichte von Interesse sind. Verzichten Sie auf ausführliche Personenbeschreibungen. Oft genügt nur eine Hauptcharaktereigenschaft.

Geht es etwa darum, dass eine schüchterne Person über sich hinauswächst und am Ende ihre extrovertierte Seite entdeckt, reicht es vollkommen aus, die Schüchternheit der Hauptfigur zu beschreiben. Was ihre Hobbys sind, wie ihre familiäre Situation aussieht und was sie am Tag zuvor unternommen hat, spielt nur dann eine Rolle, wenn es wirklich wichtig für die beschriebene Handlung ist.

Tipp: Entwickeln Sie mehrere potentielle Figuren für Ihre Geschichte und entscheiden Sie sich für die, die Sie am meisten überzeugt. Die übrigen Figuren können Sie für neue Kurzgeschichten oder als Nebenfiguren für einen Roman nutzen.

Es ist Ihnen überlassen, ob Sie zunächst eine Figur entwickeln und dann eine Handlung um sie herum aufbauen oder ob Sie bereits eine mögliche Handlung parat haben, für die Sie auf der Suche nach einem passenden Protagonisten sind.

So lassen Sie eine Handlung entstehen

Entscheiden Sie sich für ein bestimmtes Ereignis, ein Geschehen oder ein Problem, über das Sie schreiben möchten. Alles, was Sie in Ihrer Kurzgeschichte erwähnen, sollte mit diesem Ereignis in Verbindung stehen. Das heißt: Schreiben Sie nichts, was für Ihr Haupthema keine Rolle spielt. Sie benötigen den Platz, um das erwähnte Problem des Protagonisten zu lösen. Den Rest lesen die Leser und Leserinnen zwischen den Zeilen und erschließen sich selbst das, was sie für das Verstehen der Geschichte wissen müssen.

Wichtig: Schreiben Sie nicht einfach drauflos, sondern notieren Sie sich die Handlung zuvor in kurzen Stichpunkten. Sie sollte stringent sein und auf einen Höhepunkt zulaufen. Erst dann können Sie das Ereignis aufschreiben und es ausschmücken. Anderenfalls kann es schnell passieren, dass Sie sich verrennen und selbst nicht wissen, wie die Geschichte eigentlich weitergeht. Das Schreiben wird dadurch erschwert und Sie verlieren womöglich die Lust daran.

Starten Sie die Geschichte sofort mitten im Geschehen, ohne ausführlich in die Handlung einzuführen. Dabei ist es unproblematisch, falls der Leser nicht sofort versteht, worum es geht. Achten Sie nur darauf, dass er die Möglichkeit hat, die Geschichte sich später zu erschließen.

Weiterhin ist es wichtig, dass Sie sich für einen bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit entscheiden. Kurzgeschichten fokussieren sich meist auf einen Punkt . Dabei haben Sie die Wahl, ob sich die Handlung in nur wenigen Minuten oder mehreren Wochen abspielt. Generell gilt: Die erzählte Zeit sollte so knapp wie möglich sein.

Ein weiterer Punkt, der beim Entwurf der Handlung eine Rolle spielt, ist die gewünschte Stimmung. Ihre Kurzgeschichte kann den Leser zum Lachen bringen. Sie kann aber auch traurig und ernst sein. Vielleicht mögen Sie romantische Geschichten oder wünschen sich ein wenig Grusel. Achten Sie darauf, dass die Stimmung nicht wechselt. Das heißt: Eine lustige Geschichte ist von Anfang bis Ende lustig, eine ernste Geschichte startet und endet als solche.

Dabei sollten Sie stets darauf achten, die Handlung chronologisch zu erzählen. Sie beginnt, spitzt sich zu und läuft auf einen Höhepunkt hinaus. Am Ende folgt die Auflösung. Wenn Sie möchten, können Sie diese auch offen lassen und damit die Fantasie der Leser anregen. Nicht jedes Problem muss in der Geschichte gelöst werden.

Aufbau der Handlung in einer Kurzgeschichte zusammengefasst:

  • Start im Geschehen
  • Schrittweises Zuspitzen des Problems
  • Höhepunkt/scheinbare Auflösung
  • überraschende Wendung
  • Ende mit Auflösung oder offenes Ende

Sprachliche Gestaltung Ihrer Kurzgeschichte

Da Sie alles Unwichtige auslassen, fallen Ihre eigenen Wertungen und Erklärungen weg. Sie erzählen lediglich von einem Ereignis. Welche Erkenntnis der Ausgang der Geschichte bringen oder welche Nachricht übermittelt werden soll, interpretiert der Leser für sich selbst.

Damit das Verständnis der Handlung besser gelingt, können Sie Metaphern und Vergleiche nutzen. Dadurch wird eine große Menge an Information in nur wenigen Worten vermittelt.

Tipp: Schreiben Sie in einer ersten Version Ihrer Geschichte etwas mehr und streichen Sie Überflüssiges dann nach und nach heraus. Sie werden sehen, dass es manchmal nur weniger Wörter bedarf, um einen Sachverhalt zu erzählen.

Gewöhnen Sie sich an, Protagonisten über ihre Handlungen zu definieren und nicht einfach zu beschreiben, welche Eigenschaften diese aufweisen. Ist der Protagonist schüchtern, schreiben Sie nicht „Paul ist schüchtern“, sondern bringen diesen Umstand den Lesern und Leserinnen indirekt nahe, indem Sie etwa mitteilen: „Paul stand einige Meter entfernt, sagte kein Wort und schaffte es nicht, Lisa in die Augen zu sehen.“

Kurzgeschichten erlauben es Ihnen, Slangs oder Dialekte zu nutzen, die in langen Romanen schnell als störend empfunden werden, in kurze Erzählungen jedoch einen gewissen Charme bringen können.

Stilmittel der Kurzgeschichte zusammengefasst:

  • Verdichtung durch Metaphern und Vergleiche
  • Slangs, Jargons, Dialekte
  • keine Wertungen
  • eher Handlungen als Eigenschaften beschreiben
  • keine langen Ausschweifungen
  • kurze, knappe Sätze

Wählen Sie die passende Erzählform

Viele Kurzgeschichten haben einen Ich-Erzähler. Das heißt: Die Geschichte wird aus der Sicht einer bestimmten Figur erzählt und ist in der Ich-Form verfasst. Die Figur wird dann selbst zum Erzähler. Bei dieser Erzählerfigur muss es sich nicht unbedingt um die Hauptperson handeln. Möglich ist es auch, dass eine Person erzählt, die das Ereignis nur von außen beobachtet (hat).

Auch der personale Erzähler ist verbreitet. Dieser gibt das Geschehen aus der Sicht einer oder mehrerer Figuren wider, indem er beschreibt, was die jeweilige Figur erlebt, fühlt und denkt. Er erzählt jedoch in der dritten Person (er oder sie). Beide Erzählformen helfen dem Leser, eine Verbindung zum Protagonisten aufzubauen und ihn über eine kurze Zeit zu begleiten.

Wenn Sie möchten, können Sie sich auch für den allwissenden, auktorialen Erzähler entscheiden. Dieser weiß viel mehr als die einzelne Figur in der Geschichte und hat dadurch noch viel mehr Spielraum. Bedenken Sie aber, dass ein auktorialer Erzähler oft distanziert wirkt und daher öfter in anderen Erzählgattungen vorkommt.

Regeln und Tipps bewusst missachten

Alle unsere Tipps sind natürlich bloße Anregungen. Sie sind nicht verpflichtet, sie strikt einzuhalten. Wenn Sie möchten, können Sie über drei oder vier Figuren schreiben, mehrere Handlungsstränge einfügen oder einen kleinen Zeitsprung wagen.

Experimentieren Sie mutig. Gerade unvorhersehbare Brüche und Verstöße gegen die Lesererwartungen lassen eine Geschichte oft spannend und originell wirken.

Überarbeitung Ihrer Kurzgeschichte

Ihre Kurzgeschichte muss nicht beim ersten Niederschreiben perfekt sein. Mehrere Versionen Ihrer Geschichte sind völlig normal. Legen Sie die erste Variante ein paar Tage zur Seite und lesen Sie sie dann noch einmal durch. Streichen Sie Stellen, die Ihnen nicht hundertprozentig gefallen, schreiben Sie Passagen um und kürzen Sie Absätze, die zu lang ausgefallen sind.

Seien Sie kritisch und zögern Sie nicht, bestehende Geschichten wieder komplett auseinanderzunehmen und neu zu schreiben. Dies alles ist Teil des Schreibprozesses und verhilft Ihnen zu einer Kurzgeschichte, die Ihre Leser fesselt und auf die Sie stolz sein können.

Weitere Tipps und Tricks zum Thema:

Als professionelles Korrekturbüro unterstützen auch wir Sie natürlich gerne bei der Optimierung Ihrer Kurzgeschichte!

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bellmann, Werner/Hummel, Christine (2005): Deutsche Kurzprosa der Gegenwart. Stuttgart.
  • Graf von Nayhauss, Hans-Christoph (2004): Theorie der Kurzgeschichte. Stuttgart.
  • Kilchenmann, Ruth J. (1982): Die Kurzgeschichte – Formen und Entwicklung. In: Wolfgang Salzmann (Hrsg.): Siebzehn Kurzgeschichten (mit Materialien). Stuttgart.
  • Meyer, Urs (2002): Kurz- und Kürzestgeschichte. In: Kleine literarische Formen in Einzeldarstellungen. Stuttgart.
  • Poe, Edgar Allan (1922): Gesamtausgabe der Dichtungen und Erzählungen. Berlin 1922.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns dazu bitte einen Kommentar. Ihr Beitrag erscheint nach Prüfung durch einen Moderator.

Wenn Ihnen der Artikel gefällt, verlinken Sie ihn bitte auf Ihrer Homepage oder teilen Sie den Link in Social Media. Danke!

  • drucken

Erreichbar:
Mo–Di und Do–Fr
11.00–18.00 Uhr

Häufig sind wir auch
außerhalb dieser Zeiten
für Sie erreichbar.

Termine vor Ort oder am Telefon nach vorheriger Absprache.