Tipps fürs Korrekturlesen

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Wie korrigiere ich meinen Text möglichst effektiv?

Ob Bachelorarbeit, Pressemitteilung oder Bewerbung – der Lektor und Korrektor Evgenij Unker gibt Tipps zum Thema Texte selbst korrigieren.

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Elektronisch oder auf Papier?

Wenn Sie größere Eingriffe in den Text planen, ist die Bearbeitung in elektronischer Form sinnvoll. Mit den gängigen Textverarbeitungsprogrammen können Sie leicht Textteile verschieben, Abschnitte löschen oder Passagen einfügen. Sie können am Computer mühelos Textfassungen miteinander vergleichen lassen und Ihre Änderungen jederzeit zurücknehmen.

Wenn Sie aber Ihren Text nur auf letzte Rechtschreib- und Tippfehler prüfen wollen, ist das Ausdrucken die bessere Alternative. Beim Lesen auf dem Papier ermüden Ihre Augen nicht so schnell wie am Bildschirm. So werden Sie viel mehr Fehler entdecken.

Tricks fürs effektivere Korrekturlesen

  • Lesen Sie mehrmals. Insbesondere bei größerer Fehlerzahl wird auch ein erfahrener Korrektor nicht alle Fehler in einem Durchlauf beheben können. Meist sind zwei, drei und mehr Korrekturdurchgänge notwendig. Dabei können die einzelnen Korrekturläufe eigene Schwerpunkte haben. Ein Beispiel:
    • Inhaltlich-fachliche Prüfung: Ist alles drin? Ist alles korrekt? Stimmen die Daten, Zahlen, Fakten, Eigennamen? Ist die Literaturliste korrekt und vollständig?
    • Orthografisch-stilistische Korrektur: Geprüft werden Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik, Ausdrucksweise.
    • Zweiter Durchlauf der orthografisch-stilistischen Korrektur in einem angemessenen zeitlichen Abstand.
    • Formatierung: Entspricht der Text den Verlags- oder Hochschulvorgaben? Sieht alles einheitlich und ansprechend aus? Stimmen das Literatur- und das Abbildungsverzeichnis?
    • Schlusskorrektur des Textes in Bezug auf Silbentrennung, Zeilen- und Seitenumbrüche, Überschriften usw.
  • Verfremden Sie Ihren Text. Sobald Sie zu lange an einem Text gearbeitet haben, stellt sich eine gewisse Blindheit für die Details ein. Um Ihre Augen auszutricksen, können Sie zum Beispiel den Schrifttyp ändern. Experimente mit der Schriftgröße und generell mit der Formatierung können ebenfalls zum Ziel führen. Das Ausdrucken kann übrigens auch wegen des Verfremdungseffektes Wunder wirken.

  • Vorsicht mit Farbexperimenten. Am angenehmsten für das Auge ist nach wie vor schwarze Schrift auf weißem Hintergrund. Daher riskieren Sie durch Farbänderungen besonders bei langen Texten, zu schnell zu ermüden und so im Gegenteil weniger Fehler zu entdecken.

  • Verändern Sie Ihre eigene Position. Sie können sich auf einem anderen Arbeitsplatz platzieren, das Zimmer wechseln, aufstehen oder sich vom Bürostuhl aufs Sofa umsetzen. Sie erreichen denselben Effekt: Veränderung = mehr Aufmerksamkeit. Außerdem bekommen Sie ein besseres Körpergefühl durch die abwechselnde Anspannung unterschiedlicher Muskeln und tun so etwas für Ihre Gesundheit.
  • Lesen Sie langsam. Normalerweise schauen wir beim Lesen nicht jeden einzelnen Buchstaben einzeln an, sondern erfassen ganze Wörter oder gar Satzteile. Kleinere Tippfehler wie Buchstabendreher übersehen wir so leicht. Achten Sie darauf, langsamer zu lesen und jedes Wort wirklich einzeln wahrzunehmen.

  • Lesen Sie laut. Lautes Lesen verlangsamt nicht nur Ihre Lektüre, sondern schaltet mit dem Hörorgan einen weiteren Wahrnehmungskanal hinzu. Wenn Sie Ihren Text gleichzeitig sehen und hören, können Sie stilistische Unebenheiten schneller ausfindig machen.

  • Lesen Sie rückwärts. Sie können Ihren Text seiten- oder absatzweise Wort für Wort rückwärts lesen. So stellen Sie sicher, dass Sie vor allem die tatsächlich dastehenden Buchstaben wahrnehmen und sich nicht durch den – Ihnen ohnehin schon längst bekannten – Inhalt ablenken lassen.

  • Tippen Sie nach dem Zehnfingersystem. Wenn Sie blindschreiben, müssen Sie den Blick nicht ständig zwischen Monitor und Tastatur hin und her springen lassen. Sie können sich voll und ganz auf den zu bearbeitenden Text konzentrieren. Sie ermüden weniger schnell und arbeiten effektiver. Die von Ihnen gemachten Eingabefehler können Sie schon während der Eingabe berichtigen. Außerdem nehmen Sie die nötigen Änderungen schneller im Text vor und kommen dementsprechend zügiger voran.

Zeitplanung

  • Planen Sie unbedingt genug Zeit für die Korrektur ein. Um eine 50 DIN-A4-Seiten lange Bachelorarbeit oder Broschüre einfach nur zu lesen, braucht man mitunter einen ganzen Arbeitstag. Wenn Sie noch besonders gründlich lesen wollen, Änderungen vornehmen und womöglich noch Schreibweisen nachschlagen müssen, können Sie ruhig zwei bis drei Tage einplanen.

  • Noch besser ist es, wenn Sie den eigenen Text nicht sofort nach Fertigstellung korrigieren. Denn dann sehen Sie erfahrungsgemäß nur, was Sie schreiben wollten – und nicht, was Sie tatsächlich geschrieben haben. Lassen Sie also den Text mindestens einen, besser zwei oder drei Tage ruhen.

  • Je nach Fehleranzahl und dem angestrebten Ergebnis kann es sinnvoll sein, den Text zwei oder gar drei Mal zu prüfen – jeweils mit Pausen zwischendurch. Das braucht viiiiel Zeit!

Legen Sie häufiger Pausen ein

Auch ein Profi-Korrektor kann nicht acht Stunden am Stück korrigieren. Jede 30 bis 60 Minuten sollten Sie also unbedingt eine Pause von 5 bis 15 Minuten einlegen. Sie können dann die Augen schließen oder weiter entfernte Gegenstände, etwa vom Fenster aus, anschauen. Ihre Augen erholen Sich dabei schneller. Auch Entspannungsübungen für Augen und Körper steigern Ihre Produktivität.

Hilfsmittel fürs Korrekturlesen

Heutzutage ist die Palette an Hilfsmitteln fürs Korrigieren von Texten in deutscher Sprache größer geworden:

  • Die amtliche Regelung. Das amtliche Regelwerk bildet die Grundlage aller Wörterbücher und Nachschlagewerke, es ist maßgeblich für den Schulunterricht und alle staatlichen Einrichtungen. Ein Blick hinein kann also nie schaden. Die amtlichen Regeln können Sie auf der Website des Rats für deutsche Rechtschreibung herunterladen.
  • Automatische Rechtschreibprüfung. Computer sind inzwischen in der Lage, die gröbsten Tipp- und Rechtschreibfehler recht gut ausfindig zu machen. Ihrer manuellen Schlusskorrektur können Sie also ruhig einen automatischen Rechtschreib-Check vorausschicken. Neben der integrierten Lösung etwa bei Microsoft Word gibt es auch spezialisierte, ausgeklügeltere Angebote wie etwa inzwischen wieder den Duden Korrektor.

    Die vorhandenen Online-Angebote zur maschinellen Rechtschreibprüfung dürften dagegen von geringem Nutzen sein, allein schon aus praktischen Gründen: Hier muss der Text mühsam erst hin- und herkopiert werden. Ausschließlich auf Ihr Notebook verlassen sollten Sie sich jedoch so oder so nicht – die gängige Software übersieht doch einiges.
  • Klassische Nachschlagewerke. Die besten Dienste leisten nach wie vor klassische Wörterbücher wie Wahrig und Duden. Natürlich können Sie auch sonstige Sprach- und Stilratgeber zum Nachschlagen oder als Inspirationsquelle hinzuziehen. Eine grobe Übersicht zu diesem Thema gibt das nächste Kapitel.

  • Hausorthografien. Firmen, Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und Hochschulen haben oft eigene Hausorthografien oder zumindest bestimmte formalen und sprachlichen Richtlinien für die eingereichten Texte. Wenn Sie Ihren Text für eine Organisation verfassen, ist die strikte Befolgung der jeweiligen Hausorthografie empfehlenswert. Fragen Sie im Zweifel bei dem zuständigen Ansprechpartner nach, ob es besondere Vorgaben gibt, an denen Sie sich orientieren können oder müssen.
  • Arbeiten Sie mit mehreren Fenstern. In Word 2016 können Sie im Menüpunkt „Ansicht“ zum Beispiel die Anzeige des Textes spalten („Teilen“) und so gleichzeitig einen Ausschnitt des Haupttextes und die Literaturliste betrachten. Oder Sie ziehen in Windows 10 einfach das eine Fenster an den linken Rand und das andere an den rechten Rand. Möglich ist auch die Tastenkombination: [Windows] + [Pfeil links] bzw. [Pfeil links]. Die Fenster werden automatisch nebeneinander angeordnet – und Sie behalten die volle Übersicht.
  • Mehrere große Bildschirme. Diesen Effekt können Sie mit weiteren angeschlossenen Bildschirmen noch steigern. Das lästige Hin- und Herklicken entfällt und Sie können sich voll auf das Wesentliche konzentrieren. Sie arbeiten so schneller und zuverlässiger.
  • Drucker. Insbesondere wenn Sie viel auf Papier korrigieren müssen oder wollen, lohnt sich meist die Anschaffung eines reinen Schwarz-Weiß-Laser-Druckers. Die Kosten pro gedruckte Seite sind bei diesen spezialisierten Geräten meist niedriger als bei Farbdruckern, Tintenprintern oder auch kombinierten Fax-, Druck- und Scangeräten.
  • Korrekturzeichen nach DIN 16511. Damit Sie Ihre eigenen Korrekturen selbst später besser nachvollziehen können oder spätestens wenn Sie mit anderen zusammen an einem Text arbeiten, werden Sie um die normierten Korrekturzeichen nicht herumkommen. Man lernt die wichtigsten aber in zwanzig Minuten. Rechtschreibwörterbücher geben hier erste Impulse.

  • Online-Ressourcen. Natürlich findet man inzwischen Antworten auf nahezu alle Fragen rund um Rechtschreibung und Sprache im Internet. Doch Vorsicht: Insbesondere auf Frage-und-Antwort-Plattformen und in Foren finden sich viele Falschinformationen. Hilfreiche Anlaufstellen sind etwa die Portale duden.de, korrekturen.de und canoo.net.

  • Eigene Fehlerlisten. Wenn Sie häufiger schreiben, merken Sie recht schnell, dass Sie immer wieder dieselben Fehler machen. Vielleicht vertauschen Sie wie ich gerne die Personalpronomen Sie und sie oder schreiben wiederspiegeln statt widerspiegeln. Legen Sie eigene Fehlerlisten an und suchen Sie das Geschriebene gezielt nach diesen Fehlern ab. Erstens werden Sie auf diese Weise keinen ihrer Lieblingsfehler übersehen und zweitens werden Sie ihn umso schneller los, je häufiger sie sich selbst an ihn erinnern. Eine Liste mit den von mir häufig beobachteten Fehlern finden Sie hier.

  • Suchen-und-Ersetzen-Funktion Ihres Textverarbeitungsprogramms. Gerade bei sich wiederholenden Fehlern ist die Suchfunktion sehr praktisch. Sie können einfach nach „wiederspiegel“ suchen und finden so die Schreibweisen wiederspiegelte, wiederspiegelten, wiederspiegelt. Die Suchphrase können Sie dann mit „widerspiegel“ ersetzen und haben so mit einem Klick alle genannten Fälle erfasst. Aber Vorsicht: Es kann leicht passieren, dass Sie auf diese Weise Ersetzungen vornehmen, die Sie nicht beabsichtigt haben. Prüfen Sie also lieber nochmals die einzelnen Stellen, die ersetzt wurden.

  • Lineal oder Lesezeichen. Für ungeübte Korrektoren ist es oft einfacher, sich auf jedes Einzelwort zu konzentrieren, wenn Sie die Zeilen mit einem Lineal, Lesezeichen oder einem anderen passenden Gegenstand fokussieren. So lesen Sie automatisch langsamer und werden nicht durch die folgenden Zeilen abgelenkt.
  • Lesen – der beste Tipp zum Schluss. Besonders wenn Sie ein visuelles Gedächtnis haben, werden Sie vom Lesen sorgfältig lektorierter Texte stark profitieren. Lesen macht nicht nur Spaß, sondern erhöht beträchtlich Ihr Sprachvermögen. Stilistische Blüten und schlichte Tippfehler werden Ihnen irgendwann von selbst ins Auge springen.

Nachschlagewerke

Nun noch eine kleine Übersicht über die wichtigsten Nachschlagewerke.

Duden deckt mit seiner zwölfbändigen Reihe schon einen guten Teil des Lektorenbedarfs:

  • Band 1: Die deutsche Rechtschreibung
  • Band 2: Das Stilwörterbuch
  • Band 3: Das Bilderwörterbuch
  • Band 4: Die Grammatik
  • Band 5: Das Fremdwörterbuch
  • Band 6: Das Aussprachewörterbuch
  • Band 7: Das Herkunftswörterbuch
  • Band 8: Das Synonymwörterbuch
  • Band 9: Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle
  • Band 10: Das Bedeutungswörterbuch
  • Band 11: Redewendungen
  • Band 12: Zitate und Aussprüche

Von Wahrig ist aktuell offenbar nur ein 2016 erschienener Nachdruck des 2012 publizierten „WAHRIG Wörterbuchs der deutschen Sprache“ als Taschenbuch erhältlich. Die anderen – ebenfalls sehr empfehlenswerten – Bände sind leider nur noch antiquarisch zu haben. Der Verlag hat den Betrieb 2014 eingestellt.

Treue Freunde eines jeden Autors und Lektors sind außerdem:

Die Notlösung

Wenn es mit der richtigen Zeitplanung doch nicht klappt oder die Geduld nicht mehr mitspielt, können Sie einen Bekannten, Verwandten oder Kollegen bitten, Ihren Text zu überfliegen. Bestimmt können Sie sich später dafür revanchieren und ihm den gleichen Dienst erweisen. Die Hinzuziehung eines professionellen Lektors oder Korrektors ist besonders dann erwägenswert, wenn es auf Top-Qualität oder eine schnelle Erledigung des Korrekturlesens ankommt.

Sowohl bei Freunden als auch bei Profilektoren lohnt es sich – wenn die Zeit es zulässt –, den Text vorher noch einmal zumindest auf die gröbsten Fehler selbst durchzugehen. Der Freund dankt es Ihnen mit guter Laune – oder überhaupt mit einer Zusage. Denn wenn die Korrektur zu aufwendig ist, ist die Gefahr groß, dass er in letzter Minute abspringt. Und beim Profilektor sparen Sie dadurch Geld. In beiden Fällen haben Sie aber am Ende eine umso überzeugendere Textfassung, auf die Sie stolz sein können.

Evgenij Unker

07.05.2013, zuletzt editiert am 08.11.2017

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Kommentar von Ralf Gremm |

Sehr nützliche Tricks! Zum Beispiel verfremden oder rückwärts lesen. Simpel aber wirkungsvoll. Danke!

Kommentar von Lektorat Unker |

@Ralf Gremm: Vielen Dank für das positive Feedback!

Kommentar von Lu |

Es sind sehr hilfreiche Tipps. Im letzten Absatz ist jedoch ein 'es' zu viel.

Kommentar von Lektorat Unker |

@Lu: Besten Dank für den Hinweis! Da hat wohl jemand seine eigenen Tipps nicht befolgt. :-) Die unnötige Doppelung haben wir entfernt.

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